Aus nach vier Generationen

Traditionsweingut rutscht in Insolvenz

30.09.2026 – 19:12 UhrLesedauer: 3 Min.

Reben in der Pfalz (Archivbild): Die Gegend an der Grenze zu Frankreich gilt als das größte zusammenhängende Weinbaugebiet in der Bundesrepublik. (Quelle: ZQS)

Deutschland trinkt weniger Wein. Das spüren auch die Weinbaubetriebe. Nun trifft es einen Traditionswinzer mit Mut zur Neuerung. Ein erstes Bundesland greift nun zu dramatischen Mitteln.

Seit vier Generationen ist die Familie von Winzer Wolfgang Bender im pfälzischen Bissersheim im Weinbau aktiv. Nun droht dem Traditionsbetrieb das Aus. Abverkäufe ab Hof laufen bereits, im Oktober folgen weitere Sonderaktionen. Doch geht es in erster Linie darum, die Forderungen der Gläubiger zu bedienen. Denn Benders Weinbaugenossenschaft Habitat eG musste Insolvenz anmelden. Von einer „Weinkrise“ sprach Bender im „Mannheimer Morgen“, der führenden Zeitung im Rhein-Neckar-Raum.

Der Hintergrund: Der Weinbau in Deutschland steckt in einer dramatischen Krise. Nicht nur Klimawandel und steigende Kosten für Energie und Personal machen den Winzern im Land zu schaffen. Auch der Alkoholkonsum geht zurück. Nach Angaben des Deutschen Weininstituts (DWI) in Mainz sank der Weinkonsum pro Kopf 2025 in Deutschland auf 22,2 Liter, 0,7 Liter weniger als im Jahr zuvor. Das entspricht einer ganzen Flasche Wein.

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Das Fachblatt „Agrar heute“ warnte bereits im Vorjahr, mehr als die Hälfte der Betriebe hierzulande stehe vor dem Aus.

Dabei setzte Wolfgang Bender stets auf Neuerungen. Vor fünf Jahren stellte er den Betrieb um und gründete die Genossenschaft Habitat. Zugleich setzte er auf naturnahen Weinbau. Fast zweihundert Mitglieder zählte die Genossenschaft, über die selbst die ARD berichtete. Doch nun folgte die Insolvenz. Im „Mannheimer Morgen“ warnte Bender, dass es „in zwanzig Jahren“ hierzulande kaum mehr Weinbau geben werde.

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Benders Aus ist kein Einzelfall. Erst im Juni rutschte die Winzergenossenschaft „Winzer von Baden eG“ in die Insolvenz, betroffen sind 900 kleinere Winzer, oft auch im Nebenbetrieb.

Die Gründe für den Niedergang sind vielfältig. Die Hitze macht den Winzern in den Rebhängen zu schaffen. Sie lässt die Trauben aufplatzen, Pilze nisten sich ein. Zudem bilden sich unangenehme Geschmacksstoffe. In Weinbaugebieten wie Baden verzichten Winzer deshalb auf den Anbau bestimmter Rebsorten wie Riesling. Gefragt sind gegen Pilze widerstandsfähige Rebsorten wie der Sauvignac.

Neben dem Klima hat sich auch das ökonomische Umfeld geändert. Steigende Lohn- und Energiekosten lasten auf den Betrieben. Auf dem hart umkämpften deutschen Markt steigt zudem der Absatz von Billigimporten.

Simone Loose, Weinbau-Expertin von der Hochschule Geisenheim, sieht den deutschen Weinbau in einer strukturellen Anpassungskrise. Die Rebfläche habe sich nicht in gleichem Maß verringert wie der Weinabsatz, erläuterte sie der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. Fassweinpreise von teilweise 50 Cent je Liter bei Rotwein und etwa 80 Cent bei Weißwein lägen deutlich unter den Vollkosten, die mindestens 1,20 Euro je Liter betrügen. „Solche Preise sind ein sehr klares Marktsignal.“

CDU-Politikerin Christine Schneider ist Weinbauministerin in Rheinland-Pfalz. (Archivbild) (Quelle: Helmut Fricke/dpa/dpa-bilder)
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