Eine Flasche Rotkäppchen würde also teurer?

Ja. Das ist diskussionsfrei. Als Marktführer haben wir gar keine Alternative, als eine solche Verbrauchssteuer weiterzugeben. Dann kostet die Flasche Rotkäppchen auf einmal über 20 Cent mehr.

Sie warnen auch vor Folgen für Investitionen. Was bedeutet das konkret?

Eine Steuererhöhung würde der Branche genau die finanziellen Mittel entziehen, die für Zukunftsinvestitionen dringend benötigt werden. Gerade neue Kategorien wie alkoholfreie Alternativen sind aber darauf angewiesen, aus einem stabilen Kerngeschäft heraus finanziert und aufgebaut zu werden. Dahinter stehen umfassende Investitionen in Technologie und Produktionskapazitäten ebenso wie in Forschung und Entwicklung.

Haben Sie bereits Investitionen gestoppt?

Wir pausieren derzeit Investitionsentscheidungen, die nicht zwingend kurzfristig getroffen werden müssen. Entscheidungen von großer wirtschaftlicher Tragweite werde ich nicht treffen, solange wir keine Klarheit haben.

Was liegt konkret auf Eis?

Nehmen Sie unsere Rotkäppchen-Erlebniswelt in Freyburg. Dort haben wir vor einigen Jahren mehr als zehn Millionen Euro investiert. Rund 80.000 Menschen kommen inzwischen jährlich dorthin. Über eine vergleichbare Investition könnten wir derzeit nicht entscheiden. Dasselbe gilt für Investitionen in weitere Zukunftstechnologien an unseren Standorten.

Die „Rotkäppchen Erlebniswelt“ in Freyburg. (Quelle: IMAGO/Eberhard Thonfeld/imago)

Sind auch Jobs gefährdet?

Eine konkrete Zahl wäre zum jetzigen Zeitpunkt unseriös. Aber nach den Belastungen der vergangenen Jahre gibt es in der Branche keine großen Puffer mehr. Die Zahl der Sektproduktionsstandorte in Deutschland könnte gefährdet sein.

Nun enthält Sekt Alkohol. Wenn höhere Preise dazu führen, dass weniger getrunken wird, wäre das gesundheitspolitisch doch positiv.

Der gesundheitliche Aspekt ist generell relevant. Aber er ist nicht die Begründung für diese Steuererhöhung, die, nebenbei bemerkt, weder Teil des Vorschlags der Gesundheitskommission noch Teil des Koalitionsvertrages war. Man muss sich entscheiden: Möchte ich zusätzliche Steuereinnahmen oder eine gesundheitspolitische Lenkungswirkung? Beides gleichzeitig funktioniert nicht. Das zu sagen, wäre Augenwischerei.

Modellrechnungen zeigen klar: Wenn die Preise steigen und deshalb die Nachfrage deutlich zurückgeht, sinkt auch das Steueraufkommen. Gleichzeitig entstehen wirtschaftliche Schäden.

Was würden Sie Lars Klingbeil sagen, wenn er Ihrer Einladung nach Freyburg folgt?

Die Erhöhung der Schaumweinsteuer ist maximal ein fiskalpolitisches Nullsummenspiel – aber mit wirtschaftlichen Kollateralschäden.

Und wenn Klingbeil tatsächlich kommt: Sekt gibt es für ihn auch?

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