Die EZB wird die Zinsen wohl erhöhen

Damit dürften die Notenbanken auf Zinserhöhungen umschwenken. Zuerst die EZB voraussichtlich am kommenden Donnerstag. Doch was bringen Zinserhöhungen? Sie dämpfen die Nachfrage, machen Kredite teurer. Der Haken: Die Nachfrage ist gar nicht das Problem, sondern – siehe Öl oder andere Rohstoffe – das Angebot. Und das lässt sich über Zinsen kaum regulieren. Auch Notenbanken können daran nichts ändern. Deshalb warten sie in solchen Fällen erst einmal ab. Und das löst das Inflationsproblem eben nicht.

Warum kommen dann dennoch Zinserhöhungen? Weil gerade die EZB beim letzten Inflationszyklus 2022 lange zugeschaut hat. Zu lange, monieren Kritiker. Sie will sich diesem Vorwurf nicht nochmals aussetzen. Und die Inflation ist ihr Hauptjob.

USA: Die Zwischenwahlen retten

In den USA ist das Inflationsproblem ebenfalls gravierend. Der Unmut der Menschen wächst. Und im Herbst stehen die sogenannten Zwischenwahlen an. Die will US-Präsident Trump gewinnen. Dazu kann er Wahlgeschenke machen, zum Beispiel Steuererleichterungen. Doch das ist teuer für die höchstverschuldete Volkswirtschaft. Ergo kann er niedrigere Zinsen gebrauchen. Das würde die Inflation aber noch mehr treiben – ein Teufelskreis.

Möglich ist, dass sich die US-Notenbank Fed unter ihrem neu vereidigten Chef Kevin Warsh erst einmal zurückhält und die Zinsen, solange es geht, unangetastet lässt. Dann säße die Fed also zwischen Präsident und Markt. Eine Weile kann das gut gehen.

Die Kombination aus steigenden Staatsschulden – nicht nur in den USA, auch in Europa – und womöglich steigenden Zinsen ist ein Fallstrick der Aktienmärkte. Vor allem höhere Zinsen bedeuten höhere Kapitalkosten für Unternehmen.

KI hat genug Geld und treibt die Inflation

KI-Unternehmen, die Milliarden über Milliarden investieren, haben damit weniger ein Problem. Sie stemmen ihre Investitionen weitgehend aus Cashflows. Die Google-Mutter Alphabet hat gerade 80 Milliarden US-Dollar eingeworben. Allein zehn kommen von Berkshire Hathaway, der Investment-Firma von Warren Buffett, als Beteiligung.

Die Nachfrage nach Chips, Rechenzentren und Energie treibt ihrerseits die Inflation. Siehe steigende Preise für Chips oder für Energie. Auch das ist mit einer Zinserhöhung schwer einzudämmen.

Und da zeigt sich die Krux an den Börsen: Die Profiteure dieser Nachfrage sind die Gewinner am Aktienmarkt, vom Energieversorger bis zum Rechenzentren-Erbauer. Ihre Bewertungen sind hoch, zum Teil zu hoch.

50 Jahre, bis das Geld eingespielt ist

Beispiel Micron Technology: allein in diesem Jahr ein Kursplus von 270 Prozent. Damit steigt das Kurs-Gewinn-Verhältnis auf 50. Das Unternehmen ist an der Börse also mit dem 50-fachen seines Jahresgewinns bewertet. Bei gleichbleibendem Gewinn würde es also 50 Jahre lang dauern, bis das investierte Geld wieder eingespielt ist. Mit anderen Worten: Das ist teuer.

Doch die Rally läuft noch, das Geld ist da, die Gier hält an. Und Gier frisst Hirn, sagt man an der Börse. Der KI-Boom war auch schon vor dem Krieg im Iran da. Nur sind jetzt die Bewertungen der KI-Unternehmen völlig andere als noch vor drei Monaten. Damals wurden die geopolitischen Risiken anders gewichtet. Die haben sich seither nicht verbessert. Im Gegenteil.

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