Drohender Engpass
Reiche lässt Gasspeicher kurzfristig auffüllen
16.09.2026 – 01:23 UhrLesedauer: 3 Min.
Deutschlands Gasspeicher sind nur zu 56 Prozent gefüllt – deutlich weniger als im Vorjahr. Jetzt greift Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche ein.
Die deutschen Gasspeicher sind historisch leer und der Winter naht. Jetzt soll Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) nach übereinstimmenden Medienberichten hinter den Kulissen die Staatsunternehmen Sefe und Uniper dazu bewegt haben, Maßnahmen einzuleiten. Zuerst hatte der „Spiegel“ von dem Vorgang berichtet.
Demnach sollen der Gasimporteur Sefe und der Energiekonzern Uniper der Bundesregierung nach Angaben von Insidern informell zugesichert haben, alle Möglichkeiten auszuschöpfen, damit bis zum Beginn der Heizperiode noch so viel Erdgas wie möglich in die Speicher gelange. Die Kosten würden vom Markt getragen und nicht wie bei einem staatlichen Eingriff von den Steuerzahlern oder den Gaskunden über eine Umlage.
Normalerweise kaufen Großhändler im Sommer Erdgas günstig ein. Sie speichern es und verkaufen es im Winter mit Gewinn weiter. Die Preise sind jedoch infolge des Iran-Kriegs so hoch, dass eine Einspeicherung wirtschaftlich nicht attraktiv ist. Die Folge: Die Speicher sind mit rund 56 Prozent deutlich geringer gefüllt als sonst zu dieser Jahreszeit. Im vergangenen Jahr lag der Füllstand im September bei rund 75 Prozent und war bei einem milden Winter dennoch knapp.
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Eine Sprecherin des Bundeswirtschaftsministeriums wollte den Vorgang nach Angaben des „Spiegel“ nicht bestätigen. Die Lage werde „genau beobachtet“ und „die staatliche Handlungsfähigkeit abgesichert“, hieß es. Eine Uniper-Sprecherin teilte der Nachrichtenagentur dpa mit, Uniper stehe im regelmäßigen Austausch mit politischen Entscheidungsträgern, Behörden und Marktteilnehmern zu Fragen der Versorgungssicherheit und der Entwicklung der Energiemärkte. Seiner Aufgabe, die vertraglichen Verpflichtungen seinen Kunden gegenüber zu erfüllen, komme Uniper vollumfänglich nach, auch in einem herausfordernden Marktumfeld.
Reiche soll außerdem im Gespräch mit dem Markt über zusätzliche Anreize zum Befüllen der Gasspeicher sein. Dazu geht es um Ausschreibungen sogenannter Long Term Options. Der Pro-Newsletter Energie & Klima des Nachrichtenmagazins „Politico“ berichtete, eine für den Herbst angedachte Ausschreibung solle um eine noch zu bestimmende Gasmenge erhöht werden. Über die ausgeschriebenen Optionen reserviere der Erdgas-Marktmanager Trading Hub Europe (THE) Gaslieferungen bei Händlern und zahle ihnen dafür eine Gebühr. Die Händler müssten die Gasmengen in ihren Speichern für einen bestimmten Zeitraum vorhalten und gegebenenfalls zukaufen. Ziehe THE die Option, müssten die Händler liefern und bekämen einen garantierten Höchstpreis.