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Politik

Kanzler ist froh, im Westen geboren zu sein

wochentlich.deBy wochentlich.de30 November 2025Keine Kommentare3 Mins Read
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Kanzler ist froh, im Westen geboren zu sein
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Auftritt bei Ost-Parteitag

Dieser Merz-Satz erinnert an historischen Kohl-Lapsus


Aktualisiert am 30.11.2025 – 09:21 UhrLesedauer: 2 Min.

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Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) spricht auf dem Landesparteitag der CDU Sachsen-Anhalt. (Quelle: Klaus-Dietmar Gabbert)

Friedrich Merz sieht sich glücklich, nicht in der DDR geboren zu sein. Ein Ost-Parteitag ist ein ungewöhnlicher Ort für eine solche Aussage.

Friedrich Merz hat mit einem Satz erneut für Stirnrunzeln gesorgt. Beim Parteitag in Sachsen-Anhalt sprach der Bundeskanzler und CDU-Vorsitzende vor den Ostmitgliedern auch über seine Vergangenheit. Er sieht es als persönlichen Glücksfall, dass er in Zeiten der deutschen Teilung im Westen geboren wurde – und nicht in der DDR. Wörtlich sagte er: „Ich habe das Glück, und es ist nicht mehr als Glück und Zufall gewesen, nur das, im Westen geboren, im Westen groß geworden zu sein“.

Einige Teilnehmer verwunderte das offenbar. „Die Gesichter im Publikum sprechen Bände“ schrieb die politische Korrespondentin Miriam Lau, die für die „Zeit“ arbeitet, auf der Plattform X. Ein weiterer Kommentator schloss sich an: „Ob nun die Zuhörer pikiert waren oder nicht: Viele Menschen in Mitteldeutschland empfinden diese Merz’sche Wortwahl als arrogant“, schrieb er. „Na, die Familie hatte halt auch immer das Glück, auf der richtigen Seite zu stehen“, schrieb ein anderer.

Der Satz von Merz erinnert an einen Ausspruch von Helmut Kohl. Der ehemalige Bundeskanzler und CDU-Chef hatte 1984 bei einem Israel-Besuch von der „Gnade der späten Geburt“ gesprochen. Er meinte damit sich und die Generation der Deutschen, die nach 1940 geboren wurden und „nicht in Schuld geraten konnten“. Der Kanzler wollte damit zum Ausdruck bringen, dass persönliche Schuld in der NS-Zeit vom zufälligen Geburtsdatum und von der spezifischen Familienkonstellation abhing.

Tatsächlich wurde die Formulierung in Israel, aber auch in Deutschland als verletzend aufgenommen. Der damalige SPD-Oppositionspolitiker Horst Ehmke kritisierte Kohl in einer Rede: „“Es ist dieses Sich-geschichtlich-unbetroffen-Geben, das Ihre Ansprachen in Israel“, so behauptete er, „teilweise bis zur Würdelosigkeit banal wirken lässt.“

Der Merz’sche Ausspruch wurde beim Parteitag hingenommen, deutliche Kritik gab es bislang nicht. Dabei hat der Kanzler in den vergangenen Wochen öfter für Aufsehen mit Aussprüchen gesorgt. Da war der Stadtbild-Satz, der sich gegen Migranten in deutschen Innenstädten richtete, der Spruch „Fragen Sie mal ihre Töchter“ im Anschluss und seine Beschwerden über die brasilianische Stadt Belém, in der der Weltklimagipfel stattfand. Alle in seiner Delegation seien froh gewesen, dort abzureisen, sagte er. In Brasilien regte sich Empörung, Merz musste sich um Entspannung bemühen.

Beim Landesparteitag erklärte sich Merz umgehend. Der Kanzler betonte, die Menschen im Westen hätten das Glück, bereits seit 80 Jahren in Frieden und in Freiheit zu leben und nicht erst seit 35 Jahren wie die Menschen in Ostdeutschland nach der Wiedervereinigung. Das, was man gemeinsam erkämpft habe, sei nicht das Ergebnis von historischen Zufällen, sondern das Ergebnis politischer Entscheidungen. „Politik wirkt“, sagte der CDU-Politiker.

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