Die Kritik am Krisenmanagement des Regierenden Bürgermeisters von Berlin beim großen Stromausfall wird lauter. Eine Sache kann Kai Wegner nicht vermitteln. Niemandem.
Kai Wegner kann nichts dafür, dass einer oder mehrere Saboteure und Krawallinskis den Südwesten von Berlin lahmgelegt hat oder haben. Der Regierende Bürgermeister von Berlin trägt auch nicht die Alleinschuld dafür, dass plötzliche Krisen in Deutschland notorisch spät als solche erkannt und eher träge gemanagt werden. Und dass Berlin eben Berlin ist.
Seit Mittwochnachmittag brennt im Südwesten von Berlin wieder das Licht und gluckert die Heizung warm. Die Stromversorgung wurde also sogar schneller wiederhergestellt als ursprünglich befürchtet. Eigentlich könnte Kai Wegner daraus ab sofort eine Erfolgsgeschichte machen. Kann er aber nicht. Warum? Weil er Tennis spielen war. Das klingt läppisch, und trotzdem: Für Kai Wegner als „Regierenden“ ist das ein riesiges Problem. Aus drei Gründen.
Erstens und offensichtlich: Am Samstag um 8:07 Uhr – wie Wegner inzwischen jedem erzählt, der es hören muss – begann die Stromausfall-Krise für ihn. Fünf Stunden später hätte der Regierende Bürgermeister von Berlin auf jeden Fall und unbedingt Besseres zu tun gehabt, als eine Filzkugel über ein Netz zu ballern. Ehrlicherweise wäre alles andere besser gewesen.
Selbst wenn seine Krisenstäbe in diesem Moment alles Offensichtliche bereits gut und schnell genug geregelt hätten (was recht unwahrscheinlich erscheint), hätte er eine Rolle gehabt: Präsenz zeigen. Motivieren. Alle seine vielen Kontakte spielen lassen, um die zivile Hilfe anzukurbeln. Und wenn ihm das alles nicht eingefallen wäre, hätte Kai Wegner zur Not selbst mit den Mitarbeitern des Ordnungsamts losziehen können, um an Türen zu klopfen und zu fragen, ob hinter ihnen alles in Ordnung ist.
Zweitens: Politiker dürfen Fehler machen und aus ihnen lernen. Aber politischen Instinkt kann man nicht lernen. Den hat man oder nicht. Kai Wegner hat ihn nicht. Wer sich als Regierender Bürgermeister in einer Lage, die für manche Bürger lebensgefährlich werden kann, beim öffentlichen „Sporteln“ erwischen lässt, der hat die Symbolik von Taten und Wirkung von Bildern nicht verstanden. Auch die nicht von Bildern im Kopf.
Natürlich ist es verzeihlich und nachfühlbar, wenn Wegner nun zähneknirschend erklärt, dass er „kurz den Kopf freibekommen wollte“. Wer muss das nicht mal eben, wenn das Leben stressig ist? Das macht Wegner nicht zu einem schlechten Menschen.
Aber sich öffentlich auf einen Sportplatz zu stellen, das aber mit keinem Wort zu erwähnen, sondern so zu tun, als habe er ununterbrochen in seinem Arbeitszimmer versucht, die Krise zu managen, macht ihn zu einem schlechten Politiker. Es musste ihm und seinem gesamten Beraterstab klar sein, dass ihm diese Pause auf die Füße fallen wird. Wer das nicht spürt und um sich herum auch niemanden hat, der ihn vor einem solchen Riesenfehler bewahrt, der sollte keine Führungsposition innehaben. Dass er dann auch noch geflunkert hat, kann Wegner keinem schlüssig erklären. Dieser Doppelfehler ist unentschuldbar.
