Demo am Vatertag
„Dieses Problem müssen wir Männer lösen“
12.05.2026 – 17:04 UhrLesedauer: 3 Min.
Demo statt Bollerwagen und Bier: Eine Initiative ruft vor dem Vatertag zum Protest gegen männliche Gewalt auf. Auch zwei prominente Männer von den Grünen schließen sich an.
Die Grünen und ihre Jugendorganisation Grüne Jugend rufen in einem Video gemeinsam dazu auf, am diesjährigen Vatertag gegen männliche Gewalt zu demonstrieren. „Noch immer sind es vor allem von Frauen, die diese Debatte führen“, sagt Grünen-Chef Felix Banaszak in dem Video, das t-online bereits vorliegt.
Aber Gewalt gegen Frauen sei kein Problem, das Frauen allein lösen könnten, so Banaszak. „Es ist ein Problem, das wir Männer lösen müssen.“ Luis Bobga, Vorsitzender der Grünen Jugend, wirft die Frage auf: „Was wäre, wenn wir am Herrentag nicht saufen gehen, sondern Verantwortung übernehmen?“
Zu der Demo an diesem Donnerstag um 14 Uhr vor dem Brandenburger Tor in Berlin hat die Initiative „Männer gegen Gewalt“ aufgerufen. Statt den Herrentag mit Alkohol und sexualisierter Belästigung zu feiern, setze man gemeinsam ein Zeichen der Solidarität, heißt es in dem Aufruf. „Die Demo ist offen für alle. Wir laden ausdrücklich Männer dazu ein. Aber es richtet sich an alle, die gegen geschlechtsspezifische Gewalt sind“, sagte Mitorganisator Miro Marsicevic dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) vor einigen Tagen.
Fall Fernandes hat Debatte in Deutschland ausgelöst
Bereits Ende März gab es eine Demonstration am Brandenburger Tor gegen digitale sexualisierte Gewalt. Mehrere Tausend Menschen nahmen daran teil. Hintergrund waren schwere Vorwürfe der Moderatorin und Schauspielerin Collien Fernandes gegen ihren Ex-Partner, den Schauspieler Christian Ulmen, über die zuerst der „Spiegel“ berichtet hatte. Sie wirft ihm vor, Fake-Profile in ihrem Namen erstellt und darüber pornografische Darstellungen verbreitet zu haben. Für Ulmen gilt die Unschuldsvermutung.
Der Fall hatte in Deutschland eine Debatte über digitale Gewalt gegen Frauen ausgelöst. Im April legte Bundesjustizministerin Stefanie Hubig einen entsprechenden Gesetzesentwurf vor. Wer im Netz Hass, sexuelle Belästigung oder andere Formen digitaler Gewalt erleidet, soll demnach künftig einfacher gegen die Urheber vorgehen können. Vorbereitet wurden die Maßnahmen Hubig zufolge schon seit Monaten. Mit der durch den Fall Fernandes entfachten Debatte bekam der Entwurf dann eine neue Dringlichkeit.
Grüne wollen Zeichen setzen
Der Co-Vorsitzende der Grünen Jugend, Bobga, betont, dass die Demo am Donnerstag ein wichtiges Zeichen von Männern sei. „Wir akzeptieren keine Gesellschaft mehr, die Täter strukturell schützt, und keine Politik, die notwendige Gesetze zum Schutz von Frauen verschleppt“, so Bobga zu t-online. Mit der Demo solle ein Zeichen für eine solidarische und gleichberechtigte Gesellschaft gesetzt werden.
