„China Zorrilla“

Weltgrößtes Elektroschiff fährt jetzt im Linienbetrieb


27.10.2026 – 16:34 UhrLesedauer: 2 Min.

„China Zorrilla“: Mit 130 Metern Länge ist sie das längste Elektroschiff weltweit. (Quelle: Incat Tasmania)

Gigant unter Strom: Die „China Zorrilla“ startet im Linienbetrieb. Die elektrische 130-Meter-Fähre transportiert Tausende Passagiere und Autos über den Río de la Plata.

130 Meter lang, Platz für 2.100 Passagiere und 225 Fahrzeuge: Die „China Zorrilla“ ist das größte Elektroschiff der Welt. Vor wenigen Tagen hat die Fähre ihren kommerziellen Betrieb aufgenommen.

Zwischen Buenos Aires in Argentinien und Colonia del Sacramento in Uruguay befördert sie Menschen und Waren über den Río de la Plata. Fahrtstrecke: rund 50 Kilometer. Betreiber ist die Reederei Buquebus, gebaut wurde das Schiff vom australischen Unternehmen Incat Tasmania.

Die „China Zorrilla“ ist eine reguläre Fähre für Passagiere und Fahrzeuge, nur ohne den sonst üblichen Dieselantrieb. Ihr Energiespeicher hat eine Kapazität von mehr als 40 Megawattstunden, die Batterien wiegen zusammen mehr als 250 Tonnen. Für den Vortrieb sorgen acht elektrische Wasserstrahlantriebe. Maximal sind 29 Knoten (knapp 54 km/h) Geschwindigkeit möglich, der Strom reicht für 100 bis 115 Kilometer.

Erst LNG, dann vollständig elektrisch

Ursprünglich war das Schiff laut „electrive.net“ mit einem LNG-Antrieb (Flüssigerdgas) geplant. Später wurde das Konzept geändert. Während der Bau- und Erprobungsphase lief es noch unter der Bezeichnung „Hull 096“.

Der heutige Name geht auf Concepción „China“ Zorrilla zurück, eine in Uruguay und Argentinien bekannte Schauspielerin und Regisseurin. Mit China als Staat hat der Name also nichts zu tun – auch wenn er aus deutscher Sicht erst einmal danach klingt.

Keine direkten Abgase während der Fahrt

Im Betrieb entstehen an Bord keine direkten Abgasemissionen durch einen Verbrennungsmotor. Außerdem soll der elektrische Antrieb weniger Geräusche und Vibrationen verursachen als ein klassischer Dieselantrieb. Für Passagiere kann das die Überfahrt ruhiger machen, für Häfen und Anleger bedeutet es weniger Abgase. Incat-Chef Robert Clifford sprach zum Betriebsstart von einem „historischen Tag“ für Incat, Tasmanien und die maritime Industrie. Nach seinen Angaben arbeiteten Hunderte Menschen über Jahre an dem Schiff.

Weitere große Elektrofähren folgen

Die „China Zorrilla“ dürfte nicht lange ein Einzelstück bleiben. Incat Tasmania baut bereits weitere große Elektrofähren: Für den dänischen Betreiber Molslinjen entstehen drei 129 Meter lange Schiffe, die auf der Kattegat-Route eingesetzt werden sollen.

Wichtig für elektrische Fähren sind jedoch planbare Strecken mit passenden Ladezeiten und einer Infrastruktur, die große Batterien regelmäßig mit Strom versorgen kann. Beim Schnellladen muss sich das Schiff übrigens nicht hinter Elektroautos verstecken: In rund 40 Minuten sind die Energiespeicher von 20 auf 80 Prozent gefüllt. Dafür benötigt es allerdings spezielle Stationen, die mittels Pufferbatterien Strom zwischenspeichern. So wird vermieden, dass das Stromnetz zusammenbricht, wenn die Fähre Strom tanken muss.

Share.
Leave A Reply

Exit mobile version