Extremwetter lässt Prämien steigen

Versicherer kündigt Verträge wegen Klimawandel


27.06.2026 – 08:12 UhrLesedauer: 2 Min.

Waldbrand: Die Gothaer beendet ihr Geschäft mit Waldversicherungen. (Quelle: IMAGO/7aktuell.de | 7aktuell/imago)

Die Gothaer zieht sich aus dem Geschäft für Waldversicherungen zurück. Auch in anderen Sparten lässt der Klimawandel Versicherungen deutlich teurer werden.

Die Gothaer Versicherung steigt aus dem Geschäft mit Waldversicherungen aus. Das Neugeschäft wurde bereits eingestellt, bestehende Verträge sollen nicht verlängert werden. Gegenüber den Kunden begründete der Versicherer den Schritt mit dem Klimawandel und der zunehmenden Zahl an Waldbränden. Das berichtet das Fachportal „Versicherungsmonitor“. Die Gothaer teilte ihren Kunden mit, aufgrund der veränderten Risikolage keine Möglichkeit zu haben, das Angebot fortzuführen.

Knapp die Hälfte des deutschen Waldes (48,1 Prozent) befindet sich im Privatbesitz. Laut der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Waldbesitzerverbände (AGDW) verteilt sich der Privatwald auf zwei Millionen Waldbesitzer. Wie viele bei der Gothaer versichert sind, ist unbekannt.

Zahl der Brände ging zurück

Dass der Versicherer sich jetzt zu diesem Schritt entscheidet, ist angesichts der aktuellen Waldbrandstatistik überraschend. Dieser zufolge vernichteten 2024 insgesamt 563 Brände eine Waldfläche von 334 Hektar. Das ist deutlich weniger als in den Vorjahren. Im Ausnahmejahr 2022 verzeichnet die Statistik beispielsweise knapp 2.400 Brände, die insgesamt eine Waldfläche von 3.060 Hektar zerstörten.

Allerdings steigt durch den Klimawandel die Wahrscheinlichkeit für heiße, trockene Sommer – ein Faktor, der den Ausbruch von Waldbränden stark begünstigt. Ein weiterer maßgeblicher Faktor ist der Baumbestand. Vor allem Kiefern gelten aufgrund ihres hohen Herzgehalts verglichen mit anderen Bäumen als leicht entflammbar. Dies ist auch der Grund, warum Brandenburg und nicht das wesentlich waldreichere Bayern das Bundesland mit der größten Waldbrandgefahr ist – schließlich bestehen knapp 70 Prozent des Brandenburger Waldes aus Kiefer-Monokulturen.

Laut „Versicherungsmonitor“ stößt die Entscheidung des Versicherers für Kritik. So hätte die Gothaer zusammen mit Fachleuten und den Waldbesitzern nach Wegen suchen sollen, die Versicherbarkeit der Wälder sicherzustellen, beispielsweise den Umbau der Mono- in Mischwaldkulturen.

Was ist noch versicherbar?

Der Rückzug der Gothaer aus der Waldversicherung dürfte die meisten Menschen kaum tangieren. Er macht allerdings eine Entwicklung deutlich, die weit über den deutschen Wald hinausragt.

Denn auch in anderen Bereichen stellen Versicherer die Versicherbarkeit von Risiken infrage. Schon in den vergangenen Jahren sind in der Wohngebäudeversicherung die Prämien deutlich gestiegen. Hausbesitzer bekommen hier die Auswirkungen des Klimawandels zu spüren, die die Wahrscheinlichkeit schwerer Unwetter erhöht. Die Versicherer verzeichnen einen kontinuierlichen Anstieg witterungsbedingter Schäden. In der Konsequenz schrauben die Versicherer die Prämien nach oben.

Gebäudeversicherung wird unbezahlbar

Allianz-Chef Oliver Bäte mahnt: „Es wird immer schwerer, Versicherungsschutz anzubieten ohne ausreichende Vorsorgemaßnahmen.“ Als Mahnung dient unter anderem die Situation in Australien. Für viele Haushalte werden auf dem fünften Kontinent bei Prämien um die 13.000 Euro im Jahr die Versicherung ihres Haushalts mittlerweile unbezahlbar. In einigen amerikanischen Bundesstaaten haben sich zahlreiche Versicherer komplett vom Markt zurückgezogen. Hausbesitzer bekommen Schutz häufig nur noch zu sehr hohen Preisen oder müssen auf ein stark eingeschränktes Leistungspaket zurückgreifen.

Eine solche Situation sei auch in Europa möglich, mahnt Bäte. Der Klimawandel wird darum auch für Nicht-Waldbesitzer zu einem immer größeren Versicherungsproblem.

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