Fall Lyhanna erschüttert Frankreich

Getötete Elfjährige wurde vergewaltigt


Aktualisiert am 19.06.2026 – 16:47 UhrLesedauer: 2 Min.

Erinnerung an Lyhanna: Der Tatverdächtige wurde im Sommer 2025 wegen einer Vergewaltigung angezeigt, aber nie verhört. (Quelle: IMAGO/Patricia Huchot-Boissier / Starface/imago)

Tagelang war Lyhanna verschwunden, dann wurde ihre Leiche in einem Getreidesilo gefunden. Jetzt bringt die Obduktion neue Details ans Licht.

Der Fall der getöteten Lyhanna wühlt Frankreich auf, dabei geht es auch um Behördenversagen. Nun liefert die Obduktion neue Erkenntnisse: Wie die Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf mit den Ermittlungen vertrauten Kreisen berichtet, wurde die elf Jahre alte Schülerin vergewaltigt. Die Todesursache sei unterdessen noch unklar, hieß es.

Unter Verdacht steht in dem Fall der 41 Jahre alte Jérôme B., in dessen Auto das Mädchen zuletzt gesehen wurde. Der Vater einer Schulkameradin hatte Lyhanna Ende Mai mitgenommen, angeblich um das Kind auf dessen Bitte hin am Schwimmbad abzusetzen.

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Der Mann befindet sich seit Wochen in Untersuchungshaft. Die Leiche von Lyhanna war nach tagelanger Suche Anfang Juni in einem Getreidesilo auf dem Gelände eines Bauernhofs im südwestfranzösischen Département Gers gefunden worden.

Proteste in Frankreich: Der Tod von Lyhanna hat zahlreiche Menschen wütend gemacht. (Quelle: IMAGO/Apaydin Alain/ABACA/imago)

Fall Lyhanna: Anzeige wegen Vergewaltigung – kein Verhör

Der Fall löste landesweit Empörung aus, weil der Verdächtige zuvor bereits mehrfach wegen sexueller Übergriffe und Vergewaltigung von Minderjährigen angezeigt worden war. Es kam heraus, dass er nach einer Vergewaltigungsanzeige im Sommer 2025 nie verhört worden war. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und mehrere Minister räumten gravierende Missstände im Justizsystem ein.

Die französische Regierung will wegen des Falls Lyhanna ein ohnehin geplantes Kinderschutzgesetz ergänzen. Vorgesehen sind etwa härtere Strafen für Serientäter.

Die Beerdigung: Angehörige und Freunde nahmen Abschied. (Quelle: IMAGO/Patricia Huchot-Boissier / Starface/imago)

Kommission erkennt „System-Fehler“

Unterdessen hat eine unabhängige Kommission „System-Fehler“ der französischen Justiz bei der Bekämpfung von sexualisierter Gewalt gegen Kinder festgestellt. In Frankreich bestehe „ein großes Missverhältnis zwischen dem Ausmaß der Gewalt und der Schwäche der strafrechtlichen Folgen“, erklärte die Unabhängige Kommission zu sexueller Gewalt gegen Minderjährige (Ciivise) diese Woche. Bei Vorwürfen des sexuellen Kindesmissbrauchs werde in mehr als sechs von zehn Fällen das Verfahren eingestellt.

Die Kommission war 2021 von der Regierung eingesetzt worden. Ende 2023 wurden 82 Empfehlungen zur besseren Bekämpfung von sexualisierter Gewalt gegen Kinder vorgelegt. In ihrem nun vorgestellten Bericht wertete die Kommission aus, wie gut diese Empfehlungen umgesetzt wurden. Demnach waren nur 28 Prozent der getroffenen Maßnahmen „vollauf wirksam“.

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