Massive Kritik
„Vertrauensverlust“: Ex-Präsident verurteilt DFB-Honorare
26.09.2025 – 14:29 UhrLesedauer: 2 Min.
Vor dem Bundestag des DFB mit der geplanten Wiederwahl von Präsident Bernd Neuendorf gibt es Kritik. Es geht um Änderungen bei der Vergütungspraxis.
Eigentlich sollte beim anstehenden Bundestag des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) die Wiederwahl von Erneuerer und Sanierer Bernd Neuendorf als Präsident zelebriert werden. Doch da hat der Verband die Rechnung ohne die von Neuendorfs Vorgänger angeführten Kritiker gemacht.
„Was da gerade passiert, ist ein Vertrauensverlust. Das sind Dinge, die gehen so nicht mehr in unserer Gesellschaft“, sagte Fritz Keller der „Frankfurter Rundschau“: „Ich kann nicht mich selbst beaufsichtigen, das ist bar jeglicher Logik.“
Bei der DFB-Versammlung am 7. November soll entschieden werden, ob der unabhängige Vergütungsausschuss Macht abgibt. Künftig könnte der Compliance-Beauftragte bestimmen, wie viel Zeit die Präsidiumsmitglieder für ihre Arbeit ansetzen. Die Kritik daran: Statt Unabhängiger soll künftig jemand die finanziellen Weichen stellen, der als Angestellter des Verbands alles andere als unabhängig ist.
Der DFB will das nicht gelten lassen. „Sollte der DFB-Bundestag dem Antrag des DFB-Präsidiums zustimmen, würde der Compliance-Beauftragte des DFB zukünftig den zeitlichen Bezugswert der Präsidiumsmitglieder als Grundlage der Ermittlung der Vergütungshöhe festlegen, die finale Entscheidungsbefugnis über die Höhe der Vergütung verbliebe aber weiterhin beim Vergütungsausschuss“, teilte der Verband dem Sport-Informations-Dienst mit.
Dieser „zeitliche Bezugswert“ spielt allerdings die zentrale Rolle. Das Honorar der Präsidiumsmitglieder orientiert sich zwar an den Diäten der Bundestagsabgeordneten, entscheidend ist allerdings der tatsächliche Aufwand der Funktionäre. Dabei ist ein Minimum von 1,5 Tagen pro Woche angesetzt – was einer monatlichen Vergütung in Höhe von rund 5.000 Euro entspricht.
In der Vergangenheit führte der Vergütungsausschuss die Debatten mit jenen Präsidiumsmitgliedern, die mehr Tage Arbeit pro Woche und damit auch mehr Geld für sich beanspruchten. Dabei soll es nicht selten um das Doppelte von 5.000 Euro gegangen sein. Dass die Festlegung der Arbeitstage nun ein Verbandsangestellter erledigen soll, sorgt nicht nur bei Keller für großen Unmut.
Ein prominentes Mitglied des Vergütungsausschusses reagierte mit Sarkasmus auf die DFB-Pläne. „Es ist der Wunsch des Präsidiums, so zu verfahren. Ich habe das zu akzeptieren. Das Präsidium will uns entlasten. Das ist doch großartig“, sagte der langjährige Bundesliga-Manager Heribert Bruchhagen der Frankfurter Rundschau. Er finde es „umso wunderbarer, dass wir diese Debatten nicht mehr führen müssen“.
Kritik kommt auch von anderer Seite. „Anstatt unabhängige Gremien zu stärken, würde der DFB meines Erachtens zentrale Entscheidungen ins Hauptamt verschieben. Das wäre ein Rückschritt in Sachen unabhängiger Kontrolle“, sagte Sportrechtler Paul Lambertz dem „Kicker“. Man müsse sich deshalb die „Frage stellen“, warum es ein Gremium wie den Vergütungsausschuss „in der Zukunft überhaupt noch geben muss“.
