Mit ihrem Mix aus Pop, Clubsound und Avantgarde wurde Robyn weltberühmt. Nun tritt die 47-Jährige in Berlin auf – und feiert ihre Weiblichkeit und Sexualität.
Wabernde Beats und peitschende Drums schießen durch die Körper der Fans, als das Konzert des schwedischen Popstars Robyn in der Berliner Uber Arena beginnt. Sie tanzt hinter einem dünnen Vorhang, nur ihre Silhouette ist zu sehen. „Ihr seid geil, wackelt mit euren Ärschen“, ruft sie dem Publikum entgegen. Inmitten des Songs „Blow My Mind“ kommt sie unter Applaus aus dem Vorhang gekrochen – verführerisch und mit einer selbstbewussten Ausstrahlung.
Es ist so, als öffne sie mit dem Lied ihres aktuellen Albums „Sexistential“ (2026) ein Fenster zum Konzert. Der Song baut Spannung auf, ohne sich aufzudrängen, und zieht das Publikum Schritt für Schritt in seinen Sog. Die Spannung entlädt sich kurz darauf beim zweiten Song „Fembot“ (2010). Zu dem Elektropop-Hit mit seinen futuristischen Synthesizern tanzt Robyn wie ein Roboter, rennt über die Bühne und rekelt sich.
Robyn in Berlin: Einziges Konzert in Deutschland
„Fembot“ gibt den Takt für diesen Abend vor: euphorische Dance-Ekstase, die auf eine authentische und energiegeladene Robyn trifft. Es ist ein Konzert, bei dem ihr Ausdruck und die Musik im Vordergrund stehen. Die minimalistische Inszenierung und die starke Lichtshow liefern eine passende Untermalung. Gelegentlich feuert die Crew sogar Pyrotechnik ab.
Für die Schwedin ist es die erste große Arenatour seit längerer Zeit. Zuletzt war die Musik nicht ihr größter Fokus. Robin Miriam Carlsson, wie sie mit bürgerlichem Namen heißt, wurde vor Kurzem erstmals Mutter eines Sohnes. Doch das hält sie nicht davon ab, Arenen in Europa, Australien sowie den USA und Mexiko zu bespielen.
In Deutschland ist sie nur für diese eine Show in Berlin zu Gast. Die Uber Arena, Berlins größte Indoor-Halle, ist vielleicht eine Nummer zu groß. Der Oberrang ist an diesem Abend abgehangen.

Trotzdem stellt Robyn mit „Sexistential“ – einer Wortkombination aus Sex und existenziell – ihr aktuelles und erstes Album seit 2018 vor. Darauf widmet sie sich Themen der Mutterschaft, der Sexualität, der künstlichen Befruchtung, der Selbstbestimmung und dem Älterwerden. Von dem Album performt sie unter anderem den schimmernden Synthpop-Song „Talk To Me“, die 00er-Jahre-Reminiszenz „It Don’t Mean A Thing“ oder den Ohrwurm „Sucker For Love“, in dem sich Robyn kritisch mit toxischer Männlichkeit auseinandersetzt.
Sie zeigt, dass sie dem Thema Liebe und Sex vielfältig begegnet: mal leidenschaftlich, mal verspielt. Und immer mit der Überzeugung, dass sexpositive Frauen über 40 Jahre in der Kultur eine wichtige Rolle spielen. So wie es der Weltstar Madonna bereits vor einigen Jahren in Berlin getan hatte. Genau wie sie möchte Robyn aus den vornehmlich von Männern geprägten gesellschaftlichen Normen ausbrechen, die ein solches Auftreten immer noch als provokant abstempeln. Robyn lacht darüber und zelebriert den weiblichen Körper und ihre eigene Sexualität.
