Von Madrid nach Braunschweig
Der verrückteste Transfer der Vereinsgeschichte
25.08.2026 – 10:13 UhrLesedauer: 2 Min.

Glanz und Glamour in Braunschweig: Vor fast 50 Jahren kommt ein Weltstar in die Löwenstadt. Doch die als Sensation gefeierte Verpflichtung von Real Madrid entpuppt sich als Missverständnis.
Es sollte der Königstransfer von Günter Mast werden: Rund 1,6 Millionen D-Mark nahm der Chef von Hauptsponsor Jägermeister und Mäzen von Eintracht Braunschweig im Sommer 1977 in die Hand, um einen Weltstar von Real Madrid in die Löwenstadt zu lotsen.
Und tatsächlich: Paul Breitner, schon seinerzeit Weltmeister sowie mehrmaliger deutscher und spanischer Meister, wechselte aus dem großen Scheinwerferlicht der Millionenstadt ins beschauliche Braunschweig. Bis heute ist er mit dieser Ablösesumme der drittteuerste Neuzugang der Vereinsgeschichte.
Eintracht Braunschweig sticht Top-Konkurrenten aus
Große Namen des internationalen Spitzenfußballs hatte die Eintracht damit ausgestochen. Im Interview mit der spanischen Sportzeitung „AS“ sagte Breitner einst, dass ihm unter anderem Angebote von Cosmos New York, Paris Saint-Germain, Olympique Marseille, Liverpool und Manchester United vorlagen. Doch der Top-Star entschied sich für Braunschweig – auch dank Masts finanzieller Überzeugungskraft und der sportlichen Aussicht, oben mitzuspielen. Die Eintracht war in der Vorsaison Tabellendritter geworden.
Mit großen Vorschusslorbeeren kam der Weltmeister also in der Löwenstadt an. Er sollte den deutschen Meister von 1967 als Führungsspieler erneut zum Titel führen. „Ich habe bei Eintracht Braunschweig unterschrieben, in der Hoffnung und mit dem Ziel, deutscher Meister zu werden und so viel wie möglich zu gewinnen“, sagte er selbst kurz nach seiner Ankunft dem NDR.

Und die Strahlkraft von Breitner begeisterte zunächst auch das Umfeld. Mannschaftskollege Dietmar Erler sagte in der NDR-Sendung „Sportclub“ rückblickend: „Es war schon eine erstaunliche Erscheinung, dass so ein Weltklassespieler in unser Dorf Braunschweig kam, in unsere Provinz.“
4.000 Fans beim ersten Breitner-Training
Doch was so vielversprechend begann, endete im Fiasko. Beim ersten Training des Weltstars waren laut „Braunschweiger Zeitung“ noch 4.000 Zuschauer dabei. Breitner allerdings wirkte von Anfang an wie ein Fremdkörper bei der Eintracht. Missverständnisse führten zu Unruhe in und um den Verein. Viele Mitspieler konnten sich mit dem Weltstar inmitten der Provinz nicht anfreunden.
„Ein Großteil der Mannschaft hat nicht kapiert, welche Möglichkeiten mit mir vorhanden sind. Ein Großteil war eifersüchtig und neidisch und hat eine Haltung gegen mich aufgebaut“, zitiert die Zeitung Breitner. Gemeinsames Handeln und Spielen seien nicht möglich gewesen. Auch eine Aussprache mit Mast und Trainer Branko Zebec brachte keine Besserung.
