Dass jetzt am Donnerstag auf einmal Oliver Baumann für Manuel Neuer im Tor steht oder beispielsweise Deniz Undav von Anfang an spielt, weil es gegen Ecuador ja vornehmlich um nichts mehr geht? Davon halte ich nichts. Neuer ist gut ins Turnier gestartet und kann die Spielpraxis gut gebrauchen – und Undav hat genau in der Rolle, die Nagelsmann für ihn vorgesehen hat, perfekt funktioniert und diese Rolle wohl auch wirklich angenommen.

Mit von Anfang an dabei sein muss dann auch wieder einer, der sich in den ersten beiden Gruppenspielen gegen Curaçao und die Elfenbeinküste besonders auszeichnen konnte: Felix Nmecha. Genau solche Spieler brauchen wir nämlich. Er ist sowohl im Spiel nach vorn als auch in der Rückwärtsbewegung enorm stark, agiert sehr physisch, kann auch gegen körperlich auftretende Mannschaften dagegenhalten – und hat dann auch noch die Übersicht, seine Teamkollegen einzusetzen, wie Deniz Undav vor dem 2:1 gegen die Elfenbeinküste. Nmecha ist für das deutsche Spiel aktuell unverzichtbar.

Portugal als mahnendes Beispiel

Nagelsmann hat sich in den ersten beiden Partien auf seine Formation festgelegt und sollte jetzt auch dabei bleiben, um den Rhythmus aufrechtzuerhalten. Drei, vier oder sogar fünf Wechsel in der Startelf – das wäre der größte Fehler, den er machen könnte. Das darf nicht sein.

Dann droht nämlich auch die Gefahr, dass Unruhe in die Mannschaft kommt – das wäre fatal. Aktuell nämlich ist es bemerkenswert ruhig um das Teamquartier. Nichts dringt nach außen, man konzentriert sich voll auf sich selbst, verhindert Störgeräusche. Genau so sollte es auch sein. Ein mahnendes Beispiel muss Portugal sein. Dort kommen nämlich gerade Diskussionen um Cristiano Ronaldo auf, es herrscht Konfliktpotenzial – solche Ablenkungen können ein ganzes Turnier zerstören. Den Portugiesen wird das nicht guttun.

Ich bin mir sicher, dass DFB-Sportdirektor Rudi Völler dabei eine ganz wichtige Rolle dabei spielt, dass es in Winston-Salem gerade so entspannt läuft. Mit seiner Erfahrung und Expertise wird er sowohl Nagelsmann als auch die Spieler mal mehr, mal weniger steuern und, wenn nötig, in die richtige Richtung führen. Das ist Gold wert. Rudi ist in dieser Funktion unbezahlbar, und das werden sie auch alle wissen.

Messis Erfolg hat einen faden Beigeschmack

Ich muss aber auch noch einen ganz Großen herausheben: Was wir in den ersten beiden Gruppenspielen von Argentiniens Lionel Messi gesehen haben, war spektakulär – nicht nur, weil er mit nun 18 WM-Toren den Turnierrekord von Miroslav Klose gebrochen hat. Drei Treffer beim Auftakt gegen Algerien, dann zwei Tore gegen Österreich – es macht Spaß, ihm bei seiner vermutlich letzten WM zuzuschauen.

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