Vorbild für Deutschland?

Großbritannien bittet E-Auto-Fahrer zur Kasse

22.07.2026 – 10:34 UhrLesedauer: 2 Min.

Verkehr in der Region London: Künftig sollen E-Auto-Fahrer pro gefahrenem Kilometer zahlen. (Quelle: IMAGO/Marcin Nowak/imago)

Die E-Mobilität nimmt Fahrt auf und lässt die Einnahmen aus der Spritsteuer schmelzen. Doch künftig sollen auch E-Auto-Fahrer in Großbritannien ihren Beitrag leisten.

Großbritannien ebnet den Weg für eine kilometerabhängige Straßenabgabe auf Elektroautos. Wie aus einer kürzlich veröffentlichten Antwort des Finanzministeriums auf eine öffentliche Konsultation hervorgeht, soll die bereits zuvor angekündigte Electric Vehicle Excise Duty (eVED) wie geplant im April 2028 eingeführt werden. Mit der neuen Abgabe sollen Nutzer von Elektroautos und Plug-in-Hybriden künftig einen Ausgleichsbeitrag zu den sinkenden Einnahmen aus der Kraftstoffsteuer leisten.

Nach Einschätzung der britischen Regierung könnten diese infolge der rasant fortschreitenden Elektrifizierung des Straßenverkehrs bis 2050 nahezu vollständig wegbrechen. Während Fahrer von Benzin- und Dieselfahrzeugen über die Kraftstoffsteuer abhängig von ihrer Fahrleistung zum Steueraufkommen beitragen, sollen E-Autofahrer künftig in ähnlicher Weise nutzungsabhängig zur Kasse gebeten werden. Gleichzeitig betont die Regierung, dass Elektroautos steuerlich deutlich günstiger gestellt bleiben als vergleichbare Verbrenner.

Rund 2,2 Cent pro Kilometer

Konkret wird die eVED an die Jahresfahrleistung der Fahrzeuge gekoppelt. Für reine Elektroautos sind drei Pence je Meile vorgesehen, was rund 2,2 Cent pro Kilometer entspricht. Bei einer durchschnittlichen Jahresfahrleistung von 12.900 Kilometern ergäbe sich eine Abgabe von umgerechnet rund 285 Euro. Für Plug-in-Hybride gilt mit 1,5 Pence je Meile der halbe Satz, da die Nutzer dieser Fahrzeuge in der Regel außerdem Kraftstoffsteuer auf Benzin bzw. Diesel entrichten.

Grundlage für die kommende Abgabe ist zunächst eine Schätzung der Jahresfahrleistung. Die Halter melden bei der jährlichen Verlängerung der Fahrzeugsteuer ihren aktuellen Kilometerstand und prognostizieren die Fahrleistung für das kommende Jahr. Nach Ablauf des Jahres erfolgt ein Abgleich mit dem tatsächlichen Kilometerstand. Nachzahlungen oder Gutschriften gleichen Abweichungen aus. Perspektivisch soll die Kilometererfassung auf freiwilliger Basis auch automatisiert erfolgen.

Einnahmen zugunsten der E-Mobilitäts-Förderung

Die nun vorgestellte eVED-Version entspricht einer entschärften Fassung der ursprünglichen Pläne. So wurde beispielsweise die zunächst vorgesehene zusätzliche Kilometerkontrolle für Fahrzeuge unter drei Jahren gestrichen. Um den Verwaltungsaufwand zu reduzieren, werden für Flotten- und Leasingunternehmen unter anderem Sammelabrechnungen, geschätzte Fahrleistungen und gebündelte Zahlungsprozesse eingeführt. In den ersten drei Jahren sollen rund 80 Prozent der Einnahmen aus der eVED wieder in die Förderung der Elektromobilität fließen. Insgesamt will die Regierung dafür in den kommenden zehn Jahren mehr als 7,5 Milliarden Pfund investieren.

Trotz der neuen Abgabe rechnet die Regierung in London nicht mit einem Einbruch bei den Neuzulassungen von E-Autos. Im Gegenteil: Laut Regierungsprognose dürfte die eVED den Absatz von Elektroautos lediglich um rund zwei Prozent dämpfen und die jährlichen Neuzulassungen bis Anfang der 2030er-Jahre von rund einer halben Million auf etwa 1,6 Millionen mehr als verdreifachen.

Eine Blaupause für Deutschland?

Auch in Deutschland dürfte die Debatte um eine Besteuerung von E-Autos mittelfristig an Fahrt gewinnen. Mit dem derzeit stark wachsenden Anteil elektrisch angetriebener Fahrzeuge sinken auch hierzulande die Einnahmen aus der Energiesteuer auf Benzin und Diesel. Zwar wurden bislang keine konkreten Pläne der Bundesregierung für eine kilometerabhängige Pkw-Abgabe vorgestellt, doch das britische Modell könnte durchaus als Blaupause für eine künftige Reform der Straßenverkehrsbesteuerung dienen.

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