Kopelke: Herkunft ist nicht das Thema
Kopelke zeigte sich ermüdet von der Diskussion um Nationalitäten und Hautfarbe. Die Stadtbild-Debatte keime gerade wieder auf, weil die aktuellen Bilder die Leute fassungslos zurückließen. „Und jetzt streiten sich zwei Bundesminister, wie man das beschreibt, während wir in der Polizei sagen: Das gibt es doch nicht. Die Debatten kennen wir. Löst bitte das Problem, dass hier Krawallmacher, dass hier Straftäter sind, die die Versammlungen anderer Gruppen und ganzer Generationen zerstören.“
Die Delegierten hatten Kopelke als GdP-Bundesvorsitzenden am Montag, dem ersten Tag des Bundeskongresses, mit rund 89 Prozent für weitere vier Jahre im Amt bestätigt. Der 42-jährige Polizeioberrat aus Bremen steht seit 2022 an der Spitze der Gewerkschaft.
Wer hat sich nicht im Griff?
In dem Deutschlandfunk-Interview zu den Ausschreitungen räumte Kopelke auf die Frage einer pauschalen Diffamierung ganzer gesellschaftlicher Gruppen ein, dass das für diese verletzend sei. Er fragte aber zugleich, wie man die Menschen nun benennen solle. „Das sind die, die auf den Bildern sind. Wieso weiß man vorher, welcher Talahon, welcher junge Mann sich wieder nicht im Griff haben wird?“ Die Gesellschaft finde keinen Umgang und keine Antwort auf dieses Kriminalitätsphänomen. Kopelke hatte vor den Protesten in der „Bild“ vor „jungen Krawallmigranten“ gewarnt.
Der Begriff „Talahon“ geht auf den arabischen Satz „Ta’ala hon“ (Komm her!) zurück. Er war ursprünglich eine Selbstbezeichnung, wird aber nach Einschätzung von Antirassismus-Initiativen und Sozialwissenschaftlern zunehmend von rechten Akteuren genutzt, um junge Männer mit Migrationshintergrund abzuwerten.
Baden-Württembergs Ministerpräsident Cem Özdemir (Grüne) sprach sich unterdessen gegen Einschränkungen des Demonstrationsrechts aus. Versammlungsverbote seien nicht der richtige Weg, sagte er.
Özdemir: Demonstrationsrecht muss verteidigt werden
„Wir verteidigen das Demonstrationsrecht. Es ist kein gemütliches Recht, es soll uns herausfordern und das müssen wir aushalten“, sagte der Grünen-Politiker in Stuttgart. Zugleich rief er zu Besonnenheit auf. Gewalt und Zerstörung seien in keiner Weise akzeptabel.
Nach Ausschreitungen nach der Demonstration in Frankfurt am Main hatte der hessische Innenminister Roman Poseck (CDU) weitere angekündigte Veranstaltungen infrage gestellt. Auch Stuttgarts Oberbürgermeister Frank Nopper (CDU) hatte ein Versammlungsverbot für weitere Veranstaltungen nicht ausgeschlossen.
Auf Nachfrage zu der Aussage von Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) gegenüber der „Bild“, dass „gewaltbereite linke Gruppen und Chaoten aus dem migrantischen Milieu“ die friedlichen Demonstrationen gekapert hätten, sagte Özdemir, dass man teilweise sehe, dass es da eine „statistische Häufung“ gebe. „Das wird auch nicht schön gedreht, das wird auch nicht unter den Teppich gekehrt.“ Er habe Innenminister Manuel Hagel (CDU) gebeten, dass er sich das genau anschaue.