Sommerurlaub in Gefahr?

Experte: Auf welchen Flugstrecken das Kerosin zuerst ausgeht


30.04.2026 – 13:24 UhrLesedauer: 2 Min.

Flugzeug im Sonnenuntergang (Symbolbild): Ein Flugzeug startet vom Flughafen Düsseldorf. (Quelle: Julian Stratenschulte/dpa/dpa)

Sorgen um den Sommerurlaub: Der Kerosinmangel in Europa wird Fluglinien schon bald treffen, sagt ein Experte. Welche Konsequenzen dann unausweichlich werden.

Deutsche buchen jetzt ihren Sommerurlaub, aber in diesem Jahr schwingt neben der Vorfreude auf die Reise auch die Sorge um den Transport mit. Wird der Treibstoff in Europa durch die Blockade im Golf von Persien tatsächlich so knapp, dass Flüge gestrichen werden müssen? Die großen Fluggesellschaften erklären t-online auf Anfrage, dass offiziell kein Mangel bestehe. Außerdem habe man sich den Treibstoff im Voraus zu guten Preisen gesichert, sodass für Reisende auch die Ticketkosten stabil bleiben könnten.

Der Hamburger Luftfahrtexperte Heinrich Großbongardt hält die Aussagen der Branche für Beschwichtigungen und „Zweckoptimismus“. Er sagte der „Wirtschaftswoche“: Eine offene Warnung auszusprechen, dass Flüge wegen Kerosinmangels abgesagt werden müssten, sei für die Fluglinien riskant. „Die Gefahr einer Kerosinkrise ist real und sie wird so schnell nicht weggehen, weil die Lieferkette natürlich gerissen ist.“

Nicht nur Fluggesellschaften beeinflussen die Nachfrage nach Kerosin, erklärt Großbongardt. Da Kerosin chemisch eng mit Diesel verwandt ist, konkurriere die Luftfahrt mit anderen Branchen – insbesondere der Logistik – um sogenannte Mitteldestillate. „Hier gibt es einen klaren Wettbewerb“, sagt der Experte. Die Lage sei angespannt. Ein Engpass in Europa könnte ausgerechnet im Juni beginnen – also genau dann, wenn die Hauptreisezeit mit besonders hoher Nachfrage startet.

Sollten die verfügbaren Bestände tatsächlich unter eine kritische Grenze fallen, müssten Regierungen in Berlin und Brüssel entscheiden, welche Flüge Vorrang haben. In einem solchen Szenario könnten Rettungsflüge, militärische Einsätze und wichtige Frachttransporte – etwa für Medikamente oder Halbleiter – bevorzugt werden. Urlaubsflüge hätten dann das Nachsehen. Experten sprechen in diesem Zusammenhang von einer „Kerosin-Triage“.

Zunächst würden Airlines wahrscheinlich vor allem unrentable Kurzstrecken streichen. Der Grund: Start und Landung verbrauchen besonders viel Treibstoff, weshalb kurze Flüge im Verhältnis teurer sind. Bei Kerosinpreisen von über 150 Dollar pro Barrel rechnen sich viele dieser Verbindungen nicht mehr, erklärt Großbongardt. Netzwerk-Airlines wie Lufthansa wären davon stärker betroffen, da ihre Fixkosten höher sind (rund 35 Prozent) als bei Billigfluggesellschaften wie Ryanair oder Wizz Air (etwa 23 bis 25 Prozent).

Wird nicht nur der Preis, sondern auch die Verfügbarkeit von Kerosin zum Problem, geraten seiner Ansicht nach auch Langstrecken unter Druck. Während Flugzeuge auf kurzen Strecken oft genug Treibstoff für Hin- und Rückflug mitführen könnten, sei das bei Langstrecken unmöglich. Besonders Reisen nach Asien könnten deshalb im Sommer gefährdet sein. Im schlimmsten Fall drohe sogar, dass Rückflüge nicht stattfinden können, wenn vor Ort kein Treibstoff verfügbar ist.

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