Blick nach Schweden
Diese Ergänzung zur Rente könnte vieles verändern
Aktualisiert am 29.06.2026 – 11:12 UhrLesedauer: 5 Min.

Was wäre, wenn ein Teil Ihrer Rentenbeiträge künftig in Aktien investiert würde? Andere Länder verdienen damit seit Jahren Milliarden – in Deutschland überwiegt bislang die Skepsis. Das könnte sich nun ändern.
Die Rentenkommission empfiehlt, die gesetzliche Rente um kapitalgedeckte Elemente zu ergänzen. Konkret geht es um eine staatliche Kapitalrente nach schwedischem Vorbild. Deren Erträge sollen langfristig dazu beitragen, das Rentenniveau vor allem für jüngere Generationen zu stabilisieren.
Doch was bedeutet das konkret? Wie viel Geld müsste der Staat investieren, damit ein solcher Fonds Wirkung entfalten kann? Warum sind Länder wie Schweden und Norwegen damit seit Jahren erfolgreich? Und welche Risiken entstehen, wenn ein Teil der Rentengelder an den Kapitalmärkten angelegt wird?
Bedenken seien durchaus berechtigt, sagt Finanzexperte Christian Röhl. Entscheidend sei am Ende jedoch das Ergebnis. Genau darin könnte das stärkste Argument für eine kapitalgedeckte Rente liegen.
Kapitalgedeckte Rente: Warum jetzt ein Umdenken nötig ist
Die Rentenkommission will die umlagefinanzierte Rente nicht ersetzen, sondern um einen kapitalgedeckten Baustein ergänzen. Christian Röhl, Chief Economist von Scalable Capital, spricht von einem Paradigmenwechsel – vor allem aber von einem überfälligen Schritt. „Wir können es uns schlichtweg nicht leisten, bei der Zukunftssicherung auf die wohlstandsbildende Kraft der Kapitalmärkte zu verzichten“, erklärt er.
Der Aufbau einer Kapitalrente erfordert allerdings vor allem eines: Zeit und sehr viel Geld. Nach Einschätzung der Kommission sollte der Kapitalstock idealerweise über ein Jahrzehnt wachsen. Gleichzeitig muss das heutige Rentenniveau gesichert bleiben. Dafür schlägt die Kommission einen Übergangsfaktor vor, der den Wechsel zwischen dem bisherigen Rentensystem und einer späteren kapitalgedeckten Zusatzrente finanziell absichern soll.
- Merz und Bas: Rentenvorschläge komplett und zügig umsetzen
Bundeskanzler Merz sprach bei der Vorstellung der 33 Empfehlungen von „mindestens 30 Milliarden Euro“, die jährlich zusätzlich investiert werden könnten. Das entspräche etwa zwei zusätzlichen Prozentpunkten bei den Rentenbeiträgen. Nach den Vorschlägen der Kommission sollen Arbeitnehmer und Arbeitgeber diese Anschubfinanzierung jeweils zur Hälfte tragen.
Vom Generationenkapital zur Aktienrente
Ein ähnliches Konzept hatte bereits die Ampelregierung 2023 mit dem sogenannten Generationenkapital entwickelt. Damals waren zunächst zehn Milliarden Euro vorgesehen. Die Einzahlungen sollten anschließend jährlich um drei Prozent steigen und aus Bundesmitteln finanziert werden, nicht aus den Rentenbeiträgen.
Die nun diskutierten 30 Milliarden Euro wirken im Vergleich deutlich ambitionierter. Im internationalen Maßstab zeigt sich jedoch schnell: Selbst diese Summe wäre lediglich der Einstieg. Verglichen mit den Staatsfonds in Norwegen oder Schweden stünde Deutschland erst am Anfang eines langfristigen Vermögensaufbaus.
Norwegen und Schweden: So funktioniert das Vorbild
Der norwegische Staatsfonds (Government Pension Fund Global) verwaltet derzeit ein Rekordvermögen von rund 1,8 bis 1,9 Billionen Euro und ist damit der größte Staatsfonds der Welt. Würde Deutschland jedes Jahr 30 Milliarden Euro in einen staatlichen Rentenfonds einzahlen, würde es rund 63 Jahre dauern, bis ein vergleichbares Vermögen erreicht wäre.