Nicht alles auf eine Karte
Deshalb sollten Sie Ihr Geld nie nur in ETFs investieren
Aktualisiert am 24.08.2026 – 08:10 UhrLesedauer: 4 Min.

Ein Portfolio nur mit ETFs? Oder nur mit Gold? Oder nur mit Aktien? Klingt einfach – kann aber teuer werden. Warum die richtige Mischung über Ihren Anlageerfolg entscheidet.
Wenn Aktien langfristig die höchste Rendite bringen, könnten Sie doch alles in Aktien stecken, das dazugehörige Risiko aushalten und fertig – oder? Aber halten Sie diese Anlagestrategie über Jahre wirklich durch – finanziell und nervlich?
Was in der Theorie verlockend klingt, sieht in der Realität oft ganz anders aus. Deshalb sollten Anleger auf die sogenannte Asset Allocation setzen – den entscheidenden Faktor für den Anlageerfolg. Wir erklären Ihnen, wie dieses Konzept funktioniert und warum vielen Anlegern nicht bewusst ist, wie wichtig eine Aufteilung des Vermögens ist, statt alles auf eine Karte zu setzen.
Aktien schlagen alle Anlageklassen, aber …
Historisch betrachtet gibt es eine klare Gewinnerin unter den Anlageklassen: die Aktie. Wer weltweit gestreut in Aktien investiert und das Investment jahrzehntelang hält, hat die höchste Renditeerwartung. Laut einer Auswertung des US-Ökonomen Jeremy Siegel erzielten amerikanische Aktien 6,6 bis 7 Prozent reale Rendite pro Jahr über einen Zeitraum von mehr als zwei Jahrhunderten.
Das Prinzip ist simpel: Unternehmen wachsen, erwirtschaften Gewinne, und als Aktionär profitieren Sie davon durch steigende Aktienkurse und Dividenden. In der Theorie könnten Sie also Ihr gesamtes Vermögen in Aktien stecken, alle Kursschwankungen ignorieren und am Ende mit hoher Wahrscheinlichkeit mehr herausbekommen als mit jeder anderen Anlageform.
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Das Problem: Die Theorie blendet den Weg dorthin aus. Aktienmärkte schwanken stark – minus 30, 40 oder sogar 50 Prozent in einzelnen Jahren sind keine Seltenheit. Wer in solchen Phasen Liquidität braucht oder nervlich aussteigt, zerstört den Renditevorteil.
Stolpersteine an der Börse
Wer sein gesamtes Kapital an der Börse in Aktien investiert, sollte sich in jedem Fall des hohen Risikos bewusst sein. Risiko umfasst dabei weit mehr als nur die Gefahr, alles zu verlieren – es schließt auch Kursschwankungen, Kaufkraftverlust und andere finanzielle Unsicherheiten ein. Die größten Stolpersteine liegen oft auch in der Unfähigkeit, in jeder Situation völlig rational zu handeln – und in den Momenten, in denen das Leben anders verläuft als geplant.
Diese Risiken könnten Ihre Aktienstrategie durchkreuzen:
- Liquiditätsrisiko: Was, wenn Sie plötzlich Geld brauchen und der Markt gerade um 40 Prozent eingebrochen ist? Wer dann verkaufen muss, realisiert Verluste – selbst wenn sich die Kurse später erholen.
- Verhaltensrisiko: Starke Kurseinbrüche lösen bei vielen Panik aus. Das führt zu Verkäufen am Tiefpunkt und dem verpassten Wiedereinstieg – der Renditekiller Nummer eins.
- Pfadabhängigkeit (Sequenzrisiko): Es zählt nicht nur der Endwert, sondern auch die Reihenfolge der Renditen. Wer zu Beginn einer Entnahmephase Verluste erleidet, kann sein Kapital dauerhaft schwächen, selbst wenn die Märkte sich später erholen.
- Zielrisiko: Nicht jeder braucht oder will die maximale Rendite. Wer etwa für ein konkretes Ziel in zehn Jahren spart, riskiert mit einem zu hohen Aktienanteil, dieses Ziel zu verfehlen, wenn kurz vor der Auszahlung ein Crash kommt.
Asset Allocation entscheidend
Um solche Risiken zu umschiffen oder zu minimieren, ist eine strategische Aufteilung des eigenen Vermögens auf verschiedene Anlageklassen notwendig. Die 80–90-Prozent-Regel, die auf die US-amerikanischen Finanzwissenschaftler Brinson, Hood und Beebower (1986, 1991) sowie Ibbotson und Kaplan (2000) zurückgeht, beschreibt genau dieses Vorgehen.