Vor der WM „eskalierte der Zorn“

DFB plante einst Klinsmanns Rauswurf mitten im Turnier


16.06.2026 – 11:52 UhrLesedauer: 2 Min.

Jürgen Klinsmann (r.) mit dem damaligen Co-Trainer Jogi Löw (l.) bei der Fußball-WM 2006: Von den DFB-Geheimplänen wussten sie damals nichts. (Quelle: imago sportfotodienst/imago)

Tunesien entlässt seinen Trainer nach dem ersten WM-Spiel. Der DFB legte sich einst einen ähnlichen Plan zurecht – nur vier Personen wussten davon.

Nach der 1:5-Niederlage gegen Schweden zum WM-Auftakt hat Tunesien seinen Trainer Sabri Lamouchi im laufenden Turnier entlassen. Der Nachfolger steht bereits fest und rückt direkt nach. Mehr dazu lesen Sie hier. Es ist bereits das zweite Mal, dass Tunesien seinen Trainer während einer WM wechselt. Henryk Kasperczak musste 1998 nach zwei Niederlagen in der Gruppenphase gehen.

Auch der DFB spielte einst mit dem Gedanken, den Trainer während des Turniers zu tauschen – und das ausgerechnet zum „Sommermärchen“. Der Deutsche Fußball-Bund hatte während der Heim-WM 2006 einen geheimen Notfallplan vorbereitet.

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„Wenn sich bei der WM tatsächlich ein sportliches Desaster abzeichnen sollte und Klinsmann nicht mehr zu halten wäre, so beschlossen wir, sollte kurzfristig Matthias Sammer das Ruder übernehmen.“ Das enthüllte der frühere DFB-Präsident Theo Zwanziger 2012 in seiner Autobiografie „Die Zwanziger Jahre“.

„Zorn eskalierte“

Auslöser war die 1:4-Testspielniederlage gegen Italien im März 2006. „Ganz Deutschland, und ich schließe mich da ein, sah schwarz für die WM“, schreibt Zwanziger in seinem Buch. Danach begann der DFB hinter den Kulissen an Klinsmann zu zweifeln – auch weil der Bundestrainer nach der Partie wie geplant in seine zweite Heimat USA flog und sich beim anschließenden Workshop der WM-Trainer von Oliver Bierhoff und Joachim Löw vertreten ließ.

Intern „eskalierte der Zorn“, so Zwanziger. Von dem Notfallplan wussten laut dem Ex-DFB-Präsidenten nur vier Personen: er selbst, DFB-Generalsekretär Horst R. Schmidt, Franz Beckenbauer und Wolfgang Niersbach. Matthias Sammer wurde nicht eingeweiht. Zwanziger war dennoch überzeugt, dass Sammer im Ernstfall nicht abgelehnt hätte – „sein Pflichtbewusstsein hätte ein Nein nicht zugelassen“.

Löw kein Kandidat

Joachim Löw schied als möglicher Ersatzkandidat von vornherein aus. Als Co-Trainer wäre er im Falle eines Misserfolgs „selbst verbrannt gewesen“, schreibt Zwanziger – weil er Teil des Klinsmann-Konzepts war.

Dazu kam es nicht. Deutschland belegte bei der Heim-WM den dritten Platz. Zwei Tage nach dem Turnierfinale erklärte Klinsmann, seinen Vertrag nicht zu verlängern – und Löw übernahm. Das Turnier von 2006 ist heute als „Sommermärchen“ bekannt. Auch Zwanziger resümiert in seinem Buch: „Zum Glück sind wir alle nicht in die Verlegenheit gekommen.“

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