Auch die Stromversorgung gehört zur kritischen Infrastruktur – und scheint nicht zukunftsfähig zu sein. Während der letzten Hitzewelle fielen zahlreiche Trafostationen aus. Wie verwundbar sind wir hier?

Sehr verwundbar. In Deutschland gibt es mehrere Hunderttausend Trafostationen. Transformatoren wandeln Spannungsebenen um – von Höchstspannung auf Hochspannung, von Hochspannung auf Mittelspannung und schließlich auf die normale Versorgung in Haushalten. Diese Transformatoren stehen überall im Land. In den vergangenen Tagen sind einige hitzebedingt zu heiß geworden, haben Feuer gefangen und Brandschäden erlitten oder mussten abgeschaltet werden.

Warum sind diese Anlagen so anfällig?

Viele Komponenten kritischer Infrastrukturen werden eingebaut und dann über Jahrzehnte betrieben. Manche Transformatoren sind wirklich sehr alt. Sie wurden zu einer Zeit geplant, als andere Temperaturannahmen galten.

Kann man die Anlagen einfach austauschen?

Man kann nicht alle älteren Trafosysteme komplett austauschen. Erstens gibt es gar nicht so viele auf dem Markt. Bei großen Höchstspannungstrafos warten Sie vier bis sechs Jahre auf die Lieferung. Zweitens sind diese Anlagen sehr teuer und müssen regelmäßig und gut gewartet werden. Aber man muss im Rahmen des Risikomanagements für eine bessere Resilienz überlegen: Welche Teile sind besonders gefährdet? Welche könnten ausfallen? Wo hilft zum Beispiel Verschattung?

Sehen Sie auch Defizite beim Bevölkerungsschutz?

In vielen südeuropäischen Ländern wissen die Menschen selbstverständlich, wo sie im Notfall Wasser bekommen. Sie haben Kanister zu Hause und sind vorbereitet. In Deutschland wissen die meisten Menschen nicht einmal, wo sich Notwasserbrunnen befinden. Wenn man wissen will, wo diese sind, heißt es leider vom Bundesinnenministerium: Das ist geheim. Angeblich, damit Terroristen nicht wissen, wo sie sind. Das ist natürlich Schwachsinn. Denn wenn man bei den Kommunen nachfragt, bekommt man die Listen ausgehändigt.

Warum werden die Standorte dann nicht einfach veröffentlicht?

Aus meiner Sicht ist Geheimhaltung hier wieder mal nur ein Vorwand. Viele Notwasserbrunnen funktionieren schlicht nicht mehr. Sie sind ausgetrocknet, verrostet, kaputt oder enthalten kein Trinkwasser. Das will man lieber nicht an die große Glocke hängen und damit lieber intransparent agieren, statt demokratisch und offen. Stattdessen beruft man sich daher auf eine potenzielle Terrorgefahr. Alles soll geheim gehalten werden, damit Saboteure keine Chance haben. Halten wir demnächst auch Flughäfen geheim, damit Drohnen nicht darüber fliegen? Mich wundert, dass Innenminister Dobrindt die Sonne noch nicht für einen Terroristen erklärt hat.

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