
Mangel in Krankenhäusern
Warum Patienten in bestimmten Regionen eher sterben
12.01.2026 – 11:38 UhrLesedauer: 2 Min.
Pflegekräfte fehlen fast überall – aber an Deutschlands Grenze zur Schweiz ist der Mangel besonders gravierend. Dort sterben inzwischen mehr Patienten als im Rest der Republik.
Ob nach einer Operation, bei schweren Krankheiten oder in der Notaufnahme: Pflegefachkräfte spielen eine zentrale Rolle im Krankenhaus. Doch genau diese fehlen vielerorts. Der Deutsche Pflegerat warnt, dass bereits jetzt rund 17.600 Stellen fehlen – Tendenz steigend.
Besonders kritisch ist die Lage in Regionen, die an die Schweiz grenzen. Denn dort wandern besonders viele Pflegekräfte ab. Eine neue Studie des Münchner Ifo-Instituts und des Mannheimer Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) zeigt jetzt, dass der Mangel an Pflegekräften die Sterbewahrscheinlichkeit teils dramatisch erhöht.
Laut der Studie verloren deutsche Krankenhäuser in der Grenzregion zur Schweiz im Schnitt rund zwölf Prozent ihres Pflegepersonals im Vergleich zu ähnlichen Kreisen im Landesinneren. Mit jedem Prozentpunkt weniger Pflegekräfte stieg die Sterblichkeit der Patienten um 0,4 Prozent. Insgesamt erhöhte sich die Sterbewahrscheinlichkeit in diesen Kliniken also um 4,4 Prozent.
„Der Pflegekräftemangel wirke sich vor allem auf ältere Patientinnen und Patienten sowie Notfälle aus“, sagte Studienautor Oliver Schlenker vom ZEW. Besonders stark betroffen waren Menschen mit lebensbedrohlichen Erkrankungen: Bei Herzinfarktpatienten stieg die Sterblichkeit um 17,7 Prozent, bei Sepsis um 11,6 Prozent.
Verbunden mit der erhöhten Sterberate stagnierte die Lebenserwartung in den betroffenen Grenzregionen – während diese im Rest Deutschlands stieg. „Die Lebenserwartung in der Grenzregion sank um etwa 0,3 statistische Lebensjahre im Vergleich zu ähnlichen Kreisen im Landesinneren“, erklärte Schlenker.
Die Folgen des Personalmangels sind laut Studie für die Patienten deutlich spürbar: Die Pflegeintensität sank in den betroffenen Regionen um rund 0,8 Prozent pro Patient. Zudem mussten Kliniken beginnen, Operationen zu priorisieren – also weniger dringliche Eingriffe zu verschieben oder ganz zu streichen. Insgesamt sank die Wahrscheinlichkeit für eine Operation um ein Prozent.
Die Ursache für die Abwanderung ist den Studienautoren zufolge klar: Seit 2011 zieht es viele deutsche Pflegekräfte in die benachbarte Schweiz. Dort verdienen sie deutlich besser – unter anderem wegen des starken Schweizer Franken. Gleichzeitig stagnieren die Tariflöhne in deutschen Kliniken, während die Lebenshaltungskosten vergleichsweise stabil blieben. So verdienen Krankenpfleger in Deutschland nach dem Entgeltatlas der Bundesagentur für Arbeit etwa 4.000 bis 5.000 Euro im Monat, während es in der Schweiz etwa 6.500 bis 9.000 Euro sind.
Diese Kombination mache den Stellenwechsel insbesondere für examinierte Pflegefachkräfte attraktiv, heißt es in der Studie.












