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Deutschland

„Deutschland ist ein vertrauenswürdiger Partner“

wochentlich.deVon wochentlich.de22 Oktober 20253 Min Gelesen
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„Deutschland ist ein vertrauenswürdiger Partner“
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„Deutschland ist ein vertrauenswürdiger Partner“

Herr Beutin, Sie haben im August 2025 das Amt des Ständigen Vertreters Deutschlands bei den Vereinten Nationen in New York angetreten. Welche Ziele haben Sie sich gesetzt?
Aufgrund meiner Erfahrung und meiner Überzeugungen kann ich sagen, dass wir – im Gegensatz zu dem, was andere Stimmen uns glauben machen wollen – mehr Multilateralismus brauchen, nicht weniger. Ich möchte in den kommenden vier Jahren meinen Teil dazu beitragen, dass Deutschland weiterhin ein engagierter Unterstützer der Vereinten Nationen bleibt. Dazu gehören Frieden und Sicherheit, für die sich Deutschland zu mehr Verantwortung verpflichtet hat, aber auch die Agenda 2030 und die nachhaltigen Entwicklungsziele. Deutschland hat in diesem Jahr den Vorsitz in der Peacebuilding Commission inne, einem Gremium, das die Vereinten Nationen bei der Stabilisierung von Ländern nach Konflikten berät. Auch die Bundesregierung setzt sich für einen nichtständigen Sitz im Sicherheitsrat 2027/28 ein. An unserer Kandidatur ist die gesamte Bundesregierung beteiligt, wobei natürlich das Auswärtige Amt eine ganz besondere Rolle spielt. In New York ist es meine Aufgabe, die Abstimmung für Deutschland zu einem Erfolg zu machen.

Die Welt ist im Krisenmodus. Welche Chancen und Herausforderungen sehen Sie für die UN?
Die Vereinten Nationen stehen unter enormem finanziellen und politischen Druck. Der teilweise Rückzug der USA aus UN-Programmen und -Organisationen, die anhaltende Blockade von Maßnahmen des Sicherheitsrats in Schlüsselbereichen und die Bemühungen Russlands, das Gewaltverbot auszuhebeln: All dies schwächt die Legitimität der Organisation und ihrer Grundwerte. Doch gleichzeitig wissen alle Mitgliedsstaaten, dass sich die Vereinten Nationen und ihre Mitgliedsstaaten ändern müssen, um mit der Realität des 21. Jahrhunderts zurechtzukommen. Die deutsch-namibisch geführte Ausarbeitung des Zukunftspakts im Jahr 2024 hat dies ebenso deutlich gemacht wie die UN-Generalversammlung, die jetzt Ende September 2025 zusammentritt. Es ist eine Chance. Im März 2025 stellte UN-Generalsekretär Antonio Guterres im Rahmen seiner UN80-Initiative wichtige Reformvorschläge vor, um die UN schlagkräftiger und besser für die Herausforderungen der Zukunft zu rüsten.

Glauben Sie, dass es konkreten Reformbedarf gibt?
Ja, und es ist kein neues Phänomen. Deutschland fordert seit Jahren eine Reform des Sicherheitsrats. Wir wollen mehr ständige Sitze für Afrika, Asien und Lateinamerika sowie mehr nicht ständige Sitze, um in diesem zentralen UN-Gremium ein gerechteres Bild der Welt im 21. Jahrhundert zu vermitteln. Wir müssen uns und die UN auch in anderen Bereichen ändern: in der humanitären Hilfe zum Beispiel. Die Mittel, die wir und andere den UN-Hilfsorganisationen zur Verfügung stellen, reichen nicht mehr aus, um die vielen Krisen und die von ihnen betroffenen Menschen zu bewältigen. Wir arbeiten mit den Vereinten Nationen zusammen, um diese Mittel langfristiger zu nutzen und, was am wichtigsten ist, Hilfe auf lokaler Ebene zu leisten.

Wie beurteilen Sie die Rolle Deutschlands innerhalb der UN?
Ohne das politische und finanzielle Engagement ihrer Mitgliedsstaaten kann die UNO nicht überleben. Deutschland ist der zweitgrößte Geber im gesamten UN-System und einer der größten Geber im Bereich der humanitären Hilfe. In Deutschland sind 38 UN-Organisationen ansässig, allein auf dem UN-Campus in Bonn sind 27 UN-Büros ansässig. Wir stehen für Respekt gegenüber anderen Menschen, die Perspektiven anderer Mitgliedsstaaten und die UN-Charta. Unser Engagement für die Förderung von Klima, Menschenrechten und Entwicklung basiert auf dem Prinzip der Gerechtigkeit. Seit über 50 Jahren bringen wir unsere Expertise und Erfahrung in die Friedensarbeit ein, eine der zentralen Säulen der UN. Zum ersten Mal in den 80er Jahren seit der Gründung der Vereinten Nationen wird die Generalversammlung von einer deutschen Frau geleitet. Auch das zeigt, dass sich Deutschland den Vereinten Nationen voll und ganz verpflichtet fühlt. Wir sind hier in New York ein verlässlicher Partner und eine starke Stimme für Deutschland und Europa.

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