Bundespolitiker reagieren auf US-Präsidenten
„Das dumpfe Drohen Trumps gehört endlich klug pariert“
30.04.2026 – 16:21 UhrLesedauer: 2 Min.
Trump lässt den Abzug von US-Soldaten aus Deutschland prüfen und bringt die Nato in Unruhe. In Berlin fallen die Reaktionen gemischt aus. Zwei Parteien nehmen auch Kanzler Merz ins Visier.
Darauf weist auch der verteidigungspolitische Sprecher der SPD, Christoph Schmid, hin: „Es ist ja nicht das erste Mal, dass wir mit entsprechenden Drohungen von Donald Trump konfrontiert sind.“ Auch den meisten in der Frage relevanten Akteuren in den USA sei aber bewusst, dass die US-Standorte in Deutschland für ihre eigenen Interessen von „elementarer Bedeutung“ seien. Ein Abzug der US-Soldaten sei „erstens kurzfristig nicht darstellbar“ und „würde zweitens mittel- und langfristig die Handlungsfähigkeit des US-Militärs weltweit schwächen“. Trotz mancher „impulsiver Äußerung Trumps“ solle man ein „gewisses Grundvertrauen“ in die transatlantischen Beziehungen beibehalten, empfiehlt Schmid.
Deutlichere Kritik an Trump übt Siemtje Möller, stellvertretende Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion. Sie empfiehlt der Bundesrepublik eine selbstbewusste, keine ängstliche Reaktion. „Trumps Drohungen mit einem Truppenabzug aus Deutschland zeigen, wie erratisch und strategielos dieser US-Präsident agiert“, so Möller. Deutschland sei der wichtigste Standort des US-Militärs, die Vereinigten Staaten profitierten davon erheblich. „Diese Realität sollten wir selbstbewusst vertreten und deutlich machen, dass auch die USA auf die Stationierung ihrer Truppen in Deutschland und die enge Zusammenarbeit mit uns angewiesen sind.“
Markus Frohnmaier, außenpolitischer Sprecher der AfD-Fraktion, setzt einen anderen Fokus: Die US-Basen in Deutschland seien für die USA von „erheblicher“ strategischer Bedeutung. Gleichzeitig aber sei Deutschland sicherheitspolitisch auf „amerikanische Abschreckung“ angewiesen. Deutschland müsse deswegen verteidigungsfähig und das Verhältnis zu den USA wieder auf eine „sachliche und arbeitsfähige Grundlage“ gestellt werden. „Selbstverständlich“ könne der Kanzler Verbündete intern kritisieren. „Öffentliche Belehrungen und abfällige Zuspitzungen schaden jedoch Deutschlands diplomatischem Gewicht.“
Kanzler Friedrich Merz (CDU) hatte vor wenigen Tagen gesagt, die Amerikaner seien im Iran „ganz offensichtlich ohne jede Strategie in diesen Krieg gegangen“. Weil die Iraner sehr geschickt darin seien, nicht zu verhandeln, werde die gesamte amerikanische Nation gedemütigt. Allerdings hatte auch AfD-Bundeschef Tino Chrupalla erst Ende März für Aufsehen gesorgt: Er hatte auf einem Landesparteitag in Sachsen den Abzug der US-Truppen aus Deutschland gefordert, eine alte Forderung der AfD.
Die Grünen-Wehrexpertin Sara Nanni sieht in Trumps Drohung ein Versagen von Bundeskanzler Merz. „Diese offene Drohung von Trump hätte vermieden werden können, wenn hinter den Kulissen längst Klartext gesprochen worden wäre“, sagte sie t-online. „Merz sollte, statt über schwere Zeiten zu jammern, endlich die Macht, die er als Kanzler der Bundesrepublik Deutschland haben könnte, im Sinne nationaler Interessen nutzen. Das dumpfe Drohen Trumps gehört endlich klug pariert“, forderte sie. Die Regierung Merz solle endlich an einer Strategie arbeiten, schließlich sei Trump seit Januar 2025 im Amt.
