Lenja Bahlburg und Clément Noel haben ihr Bistro in der Neustadt erst vor zehn Monaten eröffnet. Am Montag wurden sie als bester Newcomer Hamburgs ausgezeichnet.
Wenn man Lenja Bahlburg fragt, wie sie sich gefühlt hat, als am Montagabend in der Fischauktionshalle ihr Name fiel, dann klingt das immer noch nach einer wirklichen Überraschung: „Wir saßen auf unseren Plätzen. Euphorie. Blicke, die man getauscht hat. Ehrlich gesagt ging das alles extrem schnell.“
Drei-Sterne-Koch Christoph Rüffer hielt die Laudatio auf das „Ugly Duckling“ vor rund 1.000 Gästen aus Gastronomie, Wirtschaft, Kultur und Politik. Verliehen wurde der Genuss-Michel, Hamburgs wichtigster Gastropreis. Bahlburg und ihr Partner Clément Noel haben in der Kategorie „Bester Newcomer 2026“ gewonnen – gegen starke Konkurrenz wie das „jfk“ und das „Chefs Warehouse“.
Das Bistro in der Kleinen Reichenstraße in der Neustadt hat am 27. Juni 2025 eröffnet. Knapp zehn Monate später steht der wohl renommierteste Hamburger Gastropreis auf der Theke.
Ein Pop-up, das nicht aufhören wollte
Vorgeschichte: Im Herbst 2023 starteten Bahlburg und Noel ihr Pop-up „Puzata“, ein paar Wochen lang, in den heutigen Räumen des „A Wolf will never be a pet“. Frankophile Produktküche, Naturwein, Sharing-Teller, kuratierte Vinyl-Sessions. Hamburg war damals noch nicht ganz dort, wo das Konzept hinwollte.
„Mehrere gute Freunde von uns haben uns stark davon abgeraten“, sagt Noel über die spätere Entscheidung, einen festen Laden aufzumachen. Heute formuliert er es so: „Wir, kleine bis mittelgroße Läden, machen die Kultur. Je mehr Konkurrenz und spannende Konzepte, desto erzogener sind unsere Gäste.“
Was die Jury an dem Bistro überzeugt hat, ist eine „klare kulinarische Handschrift“, eine kuratierte Naturweinkarte, ein regelmäßig wechselndes Menü im Geist der frankophilen Produktküche. Bahlburg selbst beschreibt die Handschrift einfacher: „Unprätentiös und intuitiv. Wir haben keine Signatures oder typischen Gerichte. Wir probieren, täglich neue Gerichte zu kochen und auf die Karte zu nehmen.“ Eine Konstante gibt es trotzdem: das Brot, täglich selbst gebacken.
„Etwas bewegen, zeigen, dass es möglich ist“
Der Name „Ugly Duckling“, also „Hässliches Entlein“ auf deutsch, ist als Statement gemeint – gegen Optikgastronomie, gegen Instagram-Tellerästhetik. Aber Bahlburg sieht darin noch mehr: „Es geht auch grundsätzlich gegen Standardisierung und Industrialisierung des Geschmacks. Etwas bewegen, zeigen, dass es möglich ist, nach Hause zu gehen, ohne das Gefühl, dass man Teil eines diskriminierenden, idiotisierenden, numerischen Systems ist.“
Das ist ein großer Satz für ein kleines Bistro mit Naturwein und Schweineohrsalat auf der Karte. Aber er deckt sich mit dem, wie der Laden tatsächlich funktioniert.
