Neue Studie
Das ist der typische E-Auto-Fahrer
10.09.2026 – 06:22 UhrLesedauer: 3 Min.
Lange galt der typische E-Auto-Fahrer als technikaffin, gut informiert und umweltbewusst. Eine neue Studie zeigt, wie stark sich die Käuferschaft inzwischen verändert hat.
Elektroautos erreichen längst nicht mehr nur eine kleine Gruppe besonders überzeugter Käufer. Allein im ersten Halbjahr 2026 stieg die Zahl der Neuzulassungen rein batterieelektrischer Autos in Deutschland laut Kraftfahrtbundesamt (KBA) um 48 Prozent. Insgesamt wurden in diesem Zeitraum 531.808 Elektrofahrzeuge einschließlich Plug-in-Hybriden und Brennstoffzellen-Fahrzeugen neu zugelassen. Ihr Marktanteil lag bei 35,8 Prozent.
Mit dem wachsenden Markt verändert sich auch, wer sich für ein Elektroauto entscheidet. Das zeigt die „EV Charging Persona Study 2026“ des Marktforschungsunternehmens Uscale. Dafür wurden im Juni 2026 mehr als 1.000 Fahrer von batterieelektrischen Autos in Deutschland zu ihren Einstellungen, Werten und ihrem Ladeverhalten befragt.
Dabei unterscheidet die Studie vier Käufertypen, die sich bei ihren Entscheidungen und Bedürfnissen teils deutlich voneinander unterscheiden. Das betrifft nicht nur die Wahl des Autos, sondern auch die Frage, wo und zu welchen Konditionen sie laden. Klar wird: „Den“ E-Auto-Fahrer gibt es nicht mehr.
Die größte Gruppe recherchiert selbst
In der Vorgängerstudie von 2024 dominierte der sogenannte „Öko-Techie“: technisch interessiert, ökologisch motiviert und meist sehr gut informiert. Er beschäftigte sich intensiv mit Fahrzeugtechnik und Ladefragen, vertraute vergleichsweise stark auf Expertenmeinungen und brauchte wenig persönliche Beratung. Individualisierung oder zusätzlicher Service spielten für ihn dagegen eine geringere Rolle.
Die neue Studie zeigt nun, dass dieser Typ den Markt nicht mehr allein prägt, sondern nur noch in Teilen wiederzufinden ist. Mit 38 Prozent bilden die „pragmatischen Informationssucher“ die größte Gruppe. Sie stehen dem „Öko-Techie“ noch am nächsten. Informationssucher recherchieren vor einer Entscheidung selbst, vergleichen Quellen und verlassen sich weniger auf Markenversprechen. Beim Laden achten sie auf transparente Bedingungen und wollen Kosten und Ablauf möglichst gut überblicken.
Mehr als 212.000 öffentliche Ladepunkte
Die öffentliche Ladeinfrastruktur wächst. Zum 1. August 2026 waren nach Angaben der Bundesnetzagentur 212.064 öffentliche Ladepunkte in Deutschland gemeldet – knapp 2.500 mehr als einen Monat zuvor. Besonders stark legten die Schnelllader zu. Ihre Zahl stieg innerhalb eines Monats um 1.324 auf 55.665. Hinzu kommen 156.399 Normalladepunkte. Damit ist inzwischen mehr als jeder vierte öffentliche Ladepunkt ein Schnelllader. Die insgesamt gleichzeitig verfügbare Ladeleistung erhöhte sich auf 9,22 Gigawatt.
Ganz anders der „statusorientierte Komfortkäufer“, der laut Studie 15 Prozent der Befragten ausmacht. Für ihn spielen Marke, Ausstattung und Bequemlichkeit eine größere Rolle. Auch beim Laden steht weniger der niedrigste Preis im Mittelpunkt als vielmehr eine einfache Nutzung, ein verlässlicher Service und möglichst wenig Aufwand.
Zwischen diesen beiden Polen liegen zwei fast gleich große Gruppen. Die „entspannten Einsteiger“ stellen 24 Prozent der Befragten. Sie treffen Entscheidungen eher intuitiv und orientieren sich stärker an Empfehlungen aus ihrem Umfeld. Verständliche Angebote, Beratung und ein einfacher Einstieg sind für sie deshalb wichtiger als umfangreiche Detailinformationen.
Weitere 23 Prozent zählt Uscale zu den „kostenbewussten Alltagsfahrern“. Bei ihnen steht der Preis im Vordergrund. Sie akzeptieren beim Laden auch zusätzlichen Aufwand, wenn sie dadurch ihre Kosten senken können. Uscale-Geschäftsführer Axel Sprenger fasst die Entwicklung so zusammen: „Je breiter der Markt wird, desto weniger trägt das Bild des einen typischen E-Auto-Fahrers.“
Der Markt verlangt unterschiedliche Angebote
Die Unterschiede haben nach Ansicht der Marktforscher direkte Folgen für Autohersteller, Energieversorger und Betreiber von Ladepunkten. Denn die vier Gruppen unterscheiden sich nicht nur beim Autokauf, sondern auch bei Ladehäufigkeit, Infrastrukturbedarf und Preissensibilität.
