Doch der jüngste Vorfall in Leipzig ist nicht das Resultat schlechter Zusammenarbeit oder von Kompetenzchaos – die Drohne war schlicht nicht bemerkt worden. Erst ein Flughafen-Busfahrer entdeckte das am Boden lauernde Objekt bei einer abendlichen Tour über das Gelände und sicherte es schließlich mit seinem Körper. Mit den üblichen Radaranlagen an Flughäfen lassen sich solche sehr kleinen Objekte aber kaum aufspüren, wie Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) bestätigte.

Darüber zerbrechen sich Militärs in aller Welt die Köpfe

Doch selbst wenn eine angreifende Kamikaze-Drohne dieser Größe erkannt wird, muss sie immer noch bekämpft werden. Über dieses Problem zerbrechen sich zurzeit Militärs in aller Welt die Köpfe. Die Waffensysteme haben im Ukraine-Krieg ihre große Wirksamkeit demonstriert, sodass sie auch in anderen Teilen der Welt vermehrt eingesetzt werden.

Im Nahen Osten beispielsweise gelingen der Hisbollah immer wieder Schläge mit Kamikaze-Drohnen gegen die israelische Armee. Auch bei einem tagelangen Rebellenangriff auf Regierungstruppen in Mali nutzten die Angreifer Drohnen, um einen Armeestützpunkt unter Feuer zu nehmen. Der große Vorteil der Kamikaze-Drohnen besteht darin, dass sie günstig und in großen Stückzahlen herzustellen sind.

Die ukrainische Transportmaschine, in deren Nähe die Kamikaze-Drohne entdeckt wurde: Das Flugzeug soll Munition geladen haben, was eine russische Beteiligung an dem Vorfall noch wahrscheinlicher macht. (Quelle: Hendrik Schmidt)

Im Ukraine-Krieg nutzen beide Konfliktparteien große Drohnenarsenale. Eine Taktik besteht beispielsweise darin, bewaffnete Drohnen an Straßen in Lauerstellung zu bringen. Sobald feindliche Fahrzeuge in Sichtweite kommen, lassen die Piloten ihre fliegenden Bomben aufsteigen und jagen damit ihre Gegner. Es ist eine Taktik, die stark an den Vorfall in Leipzig erinnert: Auch dort scheint die Drohne am Boden gelauert zu haben.

Abgewehrt werden die Drohnen im Ukraine-Krieg häufig mit anderen Kamikaze-Drohnen. Die Ukrainer experimentieren auch mit Drohnen, die mit Schrotflinten oder Fangnetzen ausgestattet sind, um gegnerische Drohnen vom Himmel zu holen.

Drohnenabwehr bleibt ein Problem

Im zivilen deutschen Luftverkehr werden sich diese rabiaten Abwehrmaßnahmen aber kaum anwenden lassen. Doch auch in diesem Bereich gibt es eine Vielzahl technischer Entwicklungen: von elektronischen Störsendern über Fangnetze bis hin zu Mikrowellen-Kanonen. Die eine Abwehrmaßnahme für alle Fälle gibt es aber nicht: So lassen sich beispielsweise mit Störsendern nur Drohnen bekämpfen, die aktiv von einem Piloten gesteuert werden, nicht aber autonom fliegende Drohnen, die einer programmierten Route folgen. Hinzu kommt, dass sich Drohnen so schnell weiterentwickeln, dass ein Abfangsystem schnell technisch überholt ist.

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