Kopfschmerzen und Migräne
Warum die Medizin noch immer keine Heilung gefunden hat
Aktualisiert am 05.09.2025 – 07:19 UhrLesedauer: 3 Min.

Millionen Menschen in Deutschland leiden unter Kopfschmerzen – viele davon chronisch. Doch ein Heilmittel fehlt bis heute, und das hat mehrere Gründe.
Fast jeder Mensch kennt Kopfschmerzen, für Millionen aber sind sie mehr als nur ein gelegentliches Ziehen oder Drücken im Kopf. Besonders Migräne zählt zu den häufigsten und belastendsten Erkrankungen weltweit. Schätzungen zufolge leiden rund eine Milliarde Menschen darunter. Für viele bedeutet das: tagelange Schmerzen, Übelkeit, Lichtempfindlichkeit und oft Arbeitsunfähigkeit. Trotzdem gibt es bis heute kein Heilmittel. Warum eigentlich?
Mediziner unterscheiden mittlerweile über 200 verschiedene Arten von Kopfschmerzen. Zu den bekanntesten gehören Spannungskopfschmerzen, Migräne und Clusterkopfschmerzen. Letztere gelten als so schmerzhaft, dass man sie auch „Suizid-Kopfschmerzen“ nennt. Jede Variante entsteht durch unterschiedliche Mechanismen und erfordert eine entsprechende Behandlung. Ein einziges Medikament oder Heilmittel, das alle Formen gleichzeitig beseitigt, gibt es deshalb nicht.
Die Migräne ist dabei ein besonderes Rätsel für die Wissenschaft. Anders als Spannungskopfschmerzen ist sie keine reine Kopf-, sondern eine Nervenerkrankung. Forscher wissen heute: Der Trigeminusnerv spielt eine Schlüsselrolle, ebenso bestimmte Botenstoffe wie Serotonin und das Molekül CGRP (Calcitonin Gene-Related Peptide). Sie beeinflussen Schmerzsignale und Gefäßreaktionen im Gehirn.
Doch Migräne entsteht nicht durch eine einzige Störung. Vielmehr ist sie das Ergebnis eines Zusammenspiels aus genetischer Veranlagung, Gehirnaktivität, Hormonen, Blutgefäßen und Umweltfaktoren.
Stress, Schlafmangel, bestimmte Nahrungsmittel, Hormonschwankungen, Wetterumschwünge – die Liste möglicher Migräne-Auslöser ist lang. Hinzu kommt, dass diese Trigger von Mensch zu Mensch unterschiedlich sind. Während Lebensmittel wie Wein oder Käse bei der einen Person eine Attacke auslösen, bleiben sie bei der anderen ohne Effekt. Diese individuelle Vielfalt verhindert, dass ein Medikament für alle gleich gut funktioniert.
Ein weiterer Grund, warum es bis heute keine Heilung gibt: Migräne wurde in der Medizin lange nicht ernst genommen. Noch vor wenigen Jahrzehnten hielten viele Ärzte sie für eine psychosomatische Störung. Da überwiegend Frauen betroffen sind, wurde die Erkrankung zusätzlich bagatellisiert. Migränepatientinnen galten als „überempfindlich“ oder „stressanfällig“.
Diese Haltung hatte Folgen für die Forschung: Während für andere Krankheiten Milliarden in Studien flossen, blieb die Migräneforschung unterfinanziert. So standen beispielsweise in den USA im Jahr 2017 nur 19 Millionen Dollar (etwa 17,6 Millionen Euro) Forschungsgelder für Migräne zur Verfügung. Weniger als für Pocken, obwohl diese seit Jahrzehnten ausgerottet sind. Und noch heute liegt die Forschungsförderung für Migräne in den USA und auch Europa deutlich unter dem Niveau vergleichbarer Erkrankungen.
