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Sport

Was dieser Fußballverein nun fürchten muss

wochentlich.deBy wochentlich.de11 September 2026Keine Kommentare3 Mins Read
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„Die Leute denken nicht weiter“

Wie die AfD einem Dorfverein zum Verhängnis werden kann


10.09.2026 – 15:36 UhrLesedauer: 3 Min.

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AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund im Wahlkampf: Ein Fußballklub fürchtet bei einer AfD-Regierung in Sachsen-Anhalt das Aus. (Quelle: Chris Emil Janssen/imago-images-bilder)

Der SV Blau-Weiß Grana wurde ausgezeichnet, weil er gegen Diskriminierung kämpft. Nach dem AfD-Wahlsieg in Sachsen-Anhalt bangt Vereinschef Björn Koch um die Existenz seines Klubs.

Die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt beschäftigt ganz Deutschland. Mit einem Ergebnis von 43,8 Prozent erreichte die AfD den höchsten Stimmenanteil. Während die einen jubeln, sind die anderen besorgt. Einer, der nicht nur besorgt ist, sondern um die Zukunft seines Vereins bangt, ist Björn Koch, erster Vorsitzender des SV Blau-Weiß Grana. Ein Fußballverein in der Kreisklasse drei im Burgenlandkreis im Süden Sachsen-Anhalts, in dem viele Spieler ohne deutschen Pass spielen.

Der SV Blau-Weiß Grana ist ein Dorfverein wie viele andere auch. Gespielt wird auf Plätzen, auf denen der Rasen oftmals uneben ist und wo unweit des Spielfeldrands ein Grill mit Bratwürsten steht. Eine Profikarriere wartet wohl auf kaum einen der Spieler. Doch in einem unterscheidet sich der Klub von vielen anderen, besonders in Sachsen-Anhalt: Blau-Weiß Grana integriert seit 2015 aktiv Geflüchtete in seine Mannschaft. Damals, als der Verein damit begann, stand er kurz vor dem Aus. Es gab zu wenig Nachwuchsspieler, in der Umgebung wohnten kaum Kinder. Dann wurde in der Nähe ein neues Flüchtlingsheim eingerichtet. Die Geflüchteten kamen zum Kicken auf den Platz, und Björn Koch und Mannschaftskapitän Johannes Heger erkannten schnell deren Potenzial. Zwischenzeitlich gab es wieder zwei volle Herrenmannschaften, dank der Neuzugänge.

Positive Entwicklung bedroht

Dem Verein war es egal, welche Herkunft die Spieler hatten oder ob sie einen deutschen Pass besaßen. Im Vordergrund standen der Spaß und die gemeinsam verbrachte Zeit. Doch das sahen nicht alle so: Einzelne Spieler wurden öffentlich beleidigt, und der Klub zeitweise Blau-Weiß Ghana genannt, wegen der schwarzen Spieler im Team. All das stand der Verein damals gemeinsam durch. In den vergangenen Jahren wurde es dann ruhiger. Vielleicht auch, weil Blau-Weiß Grana eine Art Vorreiter war, wie Björn Koch vermutet. 2022 zeichnete der Deutsche Fußball-Bund den Verein sogar mit dem Julius-Hirsch-Preis aus. Dieser erinnert an den früheren deutschen Nationalspieler mit jüdischer Herkunft, der in Auschwitz ermordet wurde. Der Preis wird an Vereine, Einzelpersonen und Institutionen vergeben, die sich gegen Antisemitismus und Diskriminierung engagieren.

„Viele Vereine haben sich mit den Jahren für Menschen ohne deutschen Pass geöffnet“, sagt Koch. Eine Entwicklung, die er jetzt durch den Ausgang der Landtagswahl bedroht sieht.

Ulrich Siegmund, der AfD-Spitzenkandidat in Sachsen-Anhalt: Seine Partei ist stärkste Kraft geworden.Vergrößern des Bildes
Ulrich Siegmund, AfD-Spitzenkandidat in Sachsen-Anhalt: Seine Partei ist stärkste Kraft geworden. (Quelle: IMAGO/Achille Abboud)

Im Wahlkreis Zeitz, in dem sich der Verein befindet, lag die AfD sogar noch zehn Prozentpunkte über dem landesweiten Ergebnis. 54 Prozent wählten sie hier, mehr als jeder Zweite. „Das ist für mich einfach schrecklich naiv und kurzsichtig“, sagt Koch. Er habe die Entwicklung schon zur Zeit des Wahlkampfes mit Sorge verfolgt, ahnte, dass ein Sieg der AfD nicht aufzuhalten sei. „Die Leute denken nicht weiter“, sagt der 41-Jährige. Sollte die AfD tatsächlich in Sachsen-Anhalt regieren, fürchtet er drastische Konsequenzen auch für seinen Verein.

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