Sobald Sie es auf die Tanzfläche geschafft haben, beginnt die rituelle Verehrung der Kult-DJs. Fans erliegen ihren Beats wie Odysseus den Sirenen; Philister hingegen denken eher an Polizeisirenen oder Baulärm. Kenner verlieren sich in akademischen Beats-per-Minute-Debatten, während Neulinge sich im Stillen fragen: „Ist das ultra-minimalistisches Genie oder nur der Soundcheck?“
Dazwischen treiben diejenigen, die das Ganze dank chemischer Verstärkung „unglaublich intensiv“ finden. Konservativere Seelen nippen an ihren Cocktails. Wenn Sie vergessen, einen Blick auf die Preisliste zu werfen, können Sie in einer einzigen wilden Clubnacht leicht ein halbes Monatsgehalt verbrennen.
Dann ist da noch die hohe Kunst, jemanden anzusprechen. Klassiker wie „Kommst du oft hierher?“ Ihr Mindesthaltbarkeitsdatum ist längst überschritten. Aber euphorische Erklärungen sind selten besser, wie zum Beispiel: „Deine Energie ist so stark, dass mir die Sicherung durchbrennt.“ Oder: „In diesem Licht siehst du wirklich gut aus.“
Aber trotz allem ist das Tanzen in überfüllten, lauten und schweißtreibenden Clubs wahrscheinlich die sinnvollste Form des Eskapismus, die unsere verrückte Zeit zu bieten hat. Solange man lieber zusammen tanzt, als anderen Ärger zu machen, leistet die deutsche Clubszene ihren Beitrag zum Weltfrieden – auch das Berghain.
