Abgeordnetenhauswahl in Berlin
Berlins CDU bekommt einen neuen Spitzenkandidaten
Aktualisiert am 10.07.2026 – 21:47 UhrLesedauer: 4 Min.
Nach dem Rückzug von Kai Wegner braucht die Berliner CDU einen neuen Spitzenkandidaten für die Abgeordnetenhauswahl. Die Kreisvorsitzenden der Hauptstadt haben sich auf einen Namen verständigt.
Gut zwei Monate vor der Abgeordnetenhauswahl tauscht die Berliner CDU ihren Spitzenkandidaten aus. Finanzsenator Stefan Evers soll die Partei nun in den Wahlkampf führen. Dafür haben sich am Abend die Kreisvorsitzenden der Hauptstadt-CDU ausgesprochen, wie CDU-Fraktionschef Dirk Stettner am Rande des Treffens sagte.
Zuvor hatte der Regierende Bürgermeisters Kai Wegner am Nachmittag überraschend seinen Rückzug als CDU-Spitzenkandidat bekanntgegeben. Wegner gab dem Druck nach, der durch die monatelangen Diskussionen über seine widersprüchlichen Angaben zu seinem Krisenmanagement während des großen Stromausfalls in der Hauptstadt Anfang des Jahres entstanden war.
Nun soll Evers übernehmen. Die Runde der Kreisvorsitzenden habe sich schnell darauf geeinigt, dass er der beste Kandidat sei, um die CDU als Spitzenkandidat in den Wahlkampf zu führen, sagte Stettner in der RBB-„Abendschau“. „Es wird schnellstmöglich jetzt die Empfehlung an den Landesvorstand ausgesprochen werden“, kündigte er an. „Der wird dann tagen, schnellstmöglich, um dann die weiteren Schritte zu besprechen. Aber für uns heißt es, wir gehen ab sofort mit Stefan Evers in den Wahlkampf.“
Zuspruch aus anderen Bundesländern
Auch über Berlin hinaus hat die Personalie Evers Aufmerksamkeit bekommen. Der Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, Hendrik Wüst (CDU), lobte den CDU-Finanzpolitiker im „Tagesspiegel“ als „die perfekte Wahl für Berlin“. Evers könne integrieren und zugleich führen. „Er kann ein Regierender Bürgermeister werden, der unsere Bundeshauptstadt erfolgreich und nachhaltig prägt.“
Der hessische Ministerpräsident Boris Rhein (CDU) nannte Evers den richtigen Kandidaten für einen erfolgreichen, schnellen Richtungswahlkampf. „Berlin hat in den vergangenen Jahren mit Stefan Evers als Senator nach dem Wahlchaos von Rot-rot-grün die Trendwende geschafft.“
Auf Evers ruhen die Hoffnungen der Berliner CDU
In der Berliner CDU gilt Evers vielen als Multitalent. Der 46-Jährige ist seit 2023 Finanzsenator und hat zusätzlich die Aufgaben von Kultursenatorin Sarah Wedl-Wilson (parteilos) übernommen, nachdem diese Ende April zurückgetreten war. Auf ihm ruhen nun die Hoffnungen vieler CDU-Mitglieder, die zuletzt zu verzweifeln drohten, weil die Zustimmung für die Partei in den Umfragen deutlich abgesackt ist.
Lange hatte Wegner geglaubt, die immer lauter werdende Kritik an ihm ignorieren zu können – aber dann doch nachgegeben. Er habe in den letzten Tagen festgestellt, dass er mit den wichtigen Themen der Stadt nicht mehr durchdringe. „Ich kriege es nicht mehr hin, Botschaften zu senden, weil eine andere Debatte alles überlagert“, sagte er am Nachmittag. „Ja, ich habe kommunikative Fehler gemacht. Und ja, glauben Sie es mir, ich ärgere mich am meisten darüber. Und das war auch Mist“, so der Regierende Bürgermeister.

