Alkohol, Nikotin und Co.

Einfache Technik hilft beim Ausstieg aus der Sucht


04.08.2026 – 12:47 UhrLesedauer: 2 Min.

Atemübung (Symbolbild): Kontrolliertes Atmen ist leicht zu erlernen und praktisch jederzeit anwendbar. (Quelle: Milan Markovic/getty-images-bilder)

Die Zigaretten oder den Alkohol aufgeben – das klingt leichter, als es ist. Eine neue Forschungsarbeit verspricht nun einfache Hilfe durch gezielte Atemübungen.

Eine kürzlich in der renommierten Fachzeitschrift „Addiction“ veröffentlichte Übersichtsarbeit hat gezeigt: Kontrollierte Atemtechniken könnten Menschen dabei unterstützen, das Verlangen nach Alkohol, Zigaretten und anderen Suchtmitteln zu verringern. Damit stünde eine gut umzusetzende, leicht anpassbare und kostengünstige Ergänzung zu bestehenden Behandlungen zur Verfügung.

Systematische Übersichtsarbeit über 20 Studien

Wer mit dem Rauchen aufhören oder seinen Alkoholkonsum reduzieren möchte, kennt das Problem: Das starke Verlangen nach der Substanz erschwert den Ausstieg. Genau hier könnten kontrollierte Atemtechniken ansetzen. Allerdings hat bislang niemand systematisch untersucht, wie sich solche Atemübungen auf den Substanzkonsum auswirken. Das wollte ein Forschungsteam mit der neuen Übersichtsarbeit ändern.

Dazu analysierte das Team 20 Studien mit insgesamt 1.249 teilnehmenden Personen, die Alkohol, Nikotin oder andere Drogen konsumierten. In den einbezogenen Studien wurde untersucht, ob verschiedene kontrollierte Atemtechniken das starke Verlangen nach der jeweiligen Substanz, die Entzugserscheinungen oder die Abhängigkeit selbst beeinflussen können. Zu den getesteten Techniken zählten unter anderem:

  • Yoga-Atemtechniken, bei denen man nach einem bestimmten Muster ein- und ausatmet und manchmal auch den Atem anhält,
  • Übungen, die das Rauchen nachahmen, sowie
  • Atemtraining mit Biofeedback, bei dem ein Sensor hilft, die Atmung an den eigenen Herzrhythmus anzupassen.

Kleine, aber verlässliche Wirkung auf das Verlangen

Die Auswertung der Studien ergab: Die Atemübungen konnten im Vergleich zu den Kontrollgruppen unabhängig von der konsumierten Substanz das Verlangen danach senken. Dieser positive Effekt war zwar nur gering, aber statistisch signifikant.

Ob kontrollierte Atemtechniken auch die Entzugserscheinungen und die Abhängigkeit selbst verringern, blieb allerdings unklar, da sich nur wenige der ausgewerteten Studien mit diesen Fragen beschäftigten. Darin erwiesen sich Atemübungen gegen die Abhängigkeit zwar als sehr wirksam, doch für eine abschließende Beurteilung dieses Effekts reicht das nicht aus.

Einfache Ergänzung zur Behandlung

Um Atemübungen als festen Bestandteil der Behandlung empfehlen zu können, sind also zunächst größere und methodisch hochwertige Studien mit längerer Nachbeobachtungszeit nötig. Nach Einschätzung des Forschungsteams legen die Ergebnisse dennoch nahe, dass Atemübungen als ergänzende Maßnahme in der Suchtbehandlung geeignet sein könnten.

Erstautor Ariel Dart Roxburgh von der Monash University im australischen Melbourne betont einen weiteren Vorteil der einfach zu erlernenden Techniken: „In Anbetracht der Tatsache, dass mehr als drei Viertel der Weltbevölkerung ein Mobiltelefon besitzen, sind die potenziellen Vorteile kostengünstiger, smartphonegestützter Atemtherapien beträchtlich.“

Share.
Leave A Reply

Exit mobile version