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Gesundheit

Ärztin rät – so wichtig ist das Training

wochentlich.deBy wochentlich.de10 August 2026Keine Kommentare3 Mins Read
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Eigentlich ist es ungerecht: Über den Beckenboden spricht kaum jemand – bis er dann Probleme bereitet. Was in solchen Fällen helfen kann.

Diese Muskel- und Bindegewebsplatte ist im wahrsten sinne: tragend. Der Beckenboden bildet den unteren Abschluss des Beckens und hält unsere Bauch- und vor allem Beckenorgane, die durch den aufrechten Gang Druck nach unten machen. Auch beim Verschluss des Darms, der Harnröhre und der Vagina wirkt er mit.

Der Beckenboden stützt Blase, Darm und bei Frauen zusätzlich die Gebärmutter und sorgt dafür, dass wir Kontrolle über unsere Urin- und Stuhlentleerung behalten; er trägt schließlich zu einer gesunden Sexualfunktion bei und stabilisiert gemeinsam mit Bauch- und Rückenmuskulatur unsere Körpermitte.

Im Laufe unseres Lebens muss der Beckenboden allerhand mitmachen: Schwangerschaften und Geburten, hormonelle Veränderungen in den Wechseljahren. Chronischer Husten, Übergewicht, schwere körperliche Arbeit oder Verstopfung, aber auch Eingriffe an der Prostata können ihn auch bei Männern schwächen. Auch Hochleistungssport kann die Muskulatur überfordern, wenn dauerhaft erhöhter Druck im Bauchraum herrscht. Allerdings schützt Sport eher, als dass er schädigt. Plötzlich reichen ein Husten oder Lachen oder Bewegung beim Sport, und wir spüren Harnverlust, bei Frauen kann es zu Senkungsbeschwerden kommen. Auch Rückenschmerzen sind möglich.

Das ist der Beckenboden

Der Beckenboden besteht aus übereinanderliegenden, ineinander greifenden Muskelschichten und Bindegewebestrukturen. Das Diaphragma pelvis ist die größte davon, sie weist eine längliche Lücke auf – für Harn- und Geschlechtswege. Bei der Frau ist dies die schwächste Stelle des Beckenbodens. Im vorderen Bereich des Beckenbodens liegt eine feste Bindegewebsplatte, die Muskeln rund um Harnröhre und Scheide Halt gibt und so den Beckenboden zusätzlich stabilisiert. Die äußere Schließmuskelschicht setzt sich aus mehreren Muskeln zusammen, unter anderem dem paarig gebildeten Schwellkörpermuskel und dem ringförmigen äußeren Afterschließmuskel. Bei der Frau bilden die Muskeln eine Schlinge um Scheide und Analkanal.

Beckenbodenprobleme können das Leben stark beeinflussen

Ein besonders sensibles Thema sind zudem unangenehme Auswirkungen auf unser Sexualleben. Das können Schmerzen beim Geschlechtsverkehr sein, die sogenannte Dyspareunie, bei Männern kann es zu Erektionsstörungen oder zu vorzeitigem Samenerguss kommen. Deshalb empfiehlt sich für sie nach einer Prostataoperation oder im fortgeschrittenen Alter häufig ein gezieltes Beckenbodentraining.

Das nämlich ist die gute Nachricht: unser Beckenboden ist trainierbar – und das ohne jede Altersbegrenzung! Dass wir hier darüber reden, klingt ganz selbstverständlich, ist für manchen aber immer noch tabubesetzt.

Ein gutes Training ist die Basis

Wenn wir uns mit der Beckenbodenproblematik auseinandersetzen – bestenfalls nicht erst im höheren Alter und/ oder wenn plötzliche Probleme uns dazu zwingen – können wir auch ermessen, warum zum Beispiel physiotherapeutisch angeleitetes Beckenbodentraining eine Art Goldstandard ist. Begleitend dazu kann elektrische Muskelstimulation die Muskulatur aktivieren. Dazu können auch Biofeedback-Methoden hilfreich sein. Biofeedback bezeichnet ein wissenschaftlich fundiertes Vorgehen, bei dem der Patient befähigt wird, bislang unbewusst ablaufende Körperprozesse bewusst wahrzunehmen und in der Zukunft gezielt zu steuern.

Seit einigen Jahren setzen sich auch medizinische Behandlungsmethoden durch, bei denen zur Stärkung des Beckenbodens elektromagnetische Impulse in hoher Intensität eingesetzt werden: Im Sitzen werden beim Patienten tausende starke Muskelkontraktionen ausgelöst, die er mit reiner Willenskraft kaum jemals erreichen könnte. Diese Methode kann das Training sinnvoll ergänzen, ist aber wie alle medizinischen Maßnahmen natürlich kein Ersatz für regelmäßige Bewegung im Alltag und ein eigenständiges, persönliches Muskeltraining. Manchmal hilft nur eine OP.

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