Laut Studie
Veränderungen im Auge deuten womöglich auf Vorhofflimmern hin
22.09.2026 – 16:41 UhrLesedauer: 2 Min.
Bestimmte Netzhautveränderungen könnten bereits Jahre vor der Diagnose auf eine häufige Herzrhythmusstörung hindeuten. Das legen neue Forschungsergebnisse nahe.
Vorhofflimmern ist die häufigste Herzrhythmusstörung – in Deutschland sind schätzungsweise 1,6 Millionen Menschen betroffen. Der dabei typische unregelmäßige und meist schnelle Herzschlag tritt vor allem in der Anfangsphase oft nur anfallartig auf und bleibt deshalb bei einer Routineuntersuchung des Herzens mittels Elektrokardiografie (EKG) häufig unentdeckt. Zudem bleiben in etwa der Hälfte der Fälle spürbare Anzeichen aus. Das ist problematisch, weil die Erkrankung unter anderem das Risiko für Schlaganfälle erhöht.
Wissenschaftler aus Großbritannien haben nun Hinweise darauf gefunden, dass sich Vorhofflimmern auch mithilfe einer Augenuntersuchung erkennen lassen könnte. Nachzulesen sind die Ergebnisse in der Fachzeitschrift „PLOS Digital Health“.
Auffällige Veränderungen der Netzhaut
Für die Studie werteten die Forscher Netzhautbilddaten von mehr als 90.000 Menschen aus, darunter hochauflösende Scans, die mittels optischer Kohärenztomografie (OCT) erstellt wurden. Dabei zeigte sich ein Unterschied: Bei Menschen mit Vorhofflimmern war eine bestimmte Schicht der Netzhaut, die nahe am hinteren Augenpol liegt, dünner. Diese Schicht enthält Nervenzellen, die das Auge mit dem Gehirn verbinden. Die Wahrscheinlichkeit für Vorhofflimmern lag dabei umso höher, je dünner die Schicht war.
Auch bei Menschen, die zum Zeitpunkt der Augenaufnahme noch kein Vorhofflimmern hatten, zeigten sich Auffälligkeiten: Bei denjenigen, die später daran erkrankten, war die Schicht bereits dünner – und zwar im Durchschnitt vier Jahre vor der Diagnose. Dieser Zusammenhang blieb bestehen, selbst wenn Faktoren wie Alter, Geschlecht, Bluthochdruck oder Diabetes herausgerechnet wurden.
Chancen für die Früherkennung
Warum die Netzhaut bei Menschen mit Vorhofflimmern verändert ist, ist noch unklar. Die Forscher vermuten, dass die Ausdünnung mit wiederholten, oftmals unbemerkten Mini-Schlaganfällen im Gehirn (sogenannter stummer Hirninfarkt) zusammenhängt, die den Blutfluss zur Netzhaut beeinträchtigen. Die empfindlichen Nervenzellen könnten dadurch geschädigt werden und sich zurückbilden. Dies könnte auftreten, noch ehe ein Vorhofflimmern erkannt wird.
Studienautor Siegfried Wagner zufolge können „die Netzhaut-Scans strukturelle Veränderungen im Auge erfassen, die eindeutig mit Vorhofflimmern verknüpft sind“. Solche Untersuchungen seien leicht zugänglich, schnell und nicht invasiv und könnten die EKG-Diagnostik ergänzen.
Was bedeutet das für Patienten?
Ob sich solche Netzhaut-Scans tatsächlich zur Früherkennung eignen, muss nun in weiteren Studien überprüft werden. „Bestätigen sich unsere Ergebnisse, könnten routinemäßige Augenuntersuchungen künftig dabei helfen, Menschen zu erkennen, die von einer genaueren Untersuchung des Herzens profitieren“, erklärt Erstautor Josef Huemer. Betroffene mit bislang unentdecktem Vorhofflimmern ließen sich so identifizieren und könnten rechtzeitig Behandlungen erhalten, die das Schlaganfallrisiko senken.