Drei Menschen sterben in brennendem Wrack

Wird ein Design-Trend zur Gefahr?


12.06.2026 – 12:41 UhrLesedauer: 2 Min.

Unfalltragödie in Schwerte: Ein neunjähriges Kind konnte sich noch aus den Flammen retten. (Quelle: NonstopNews / Max Lametz)

In einem brennenden Wrack sterben drei Menschen, weil die Türen blockieren. Ursache ist ein Design-Trend. Die Notfall-Anleitung einer deutschen Luxusmarke zeigt, wie hilflos die Industrie vor dem eigenen System steht.

Im September 2025 verbrennen drei Menschen in einem Tesla bei einem Unfall in Schwerte. Ein 43-jähriger Mann und zwei neunjährige Kinder sterben im Wrack. Von außen lassen sich die Türen nicht öffnen. Nur ein viertes Kind kann sich selbst befreien.

Feuerwehrmann Daniel Bösch war als Einsatzleiter vor Ort. Als seine Mannschaft eintraf, stand das Fahrzeug bereits in Flammen. „Wir mussten uns zunächst aufs Löschen konzentrieren“, sagte er dem „Spiegel“.

Erst danach fanden die Retter die leblosen Insassen. Ein Ersthelfer hatte zuvor vergeblich versucht, die Türen zu öffnen. Ein späteres Gutachten kam zu dem Ergebnis, dass die versenkbaren, elektrischen Türgriffe nach dem Aufprall nicht ausgefahren waren.

Wenn Technik zur Barriere wird

Der Fall wirft eine grundsätzliche Frage auf: Wird ein Design-Trend zum Sicherheitsproblem? Denn versenkbare Türgriffe sind längst kein Tesla-Spezialfall mehr. Auch Hersteller wie Hyundai, BMW oder Mercedes setzen auf bündig integrierte Griffe. Sie verbessern die Aerodynamik und schaffen eine glattere Karosserielinie.

Im Normalfall fahren die Griffe automatisch aus, sobald das Fahrzeug entriegelt wird oder Sensoren einen Unfall erkennen. Versagt das System jedoch, fehlt Rettungskräften häufig jeder Ansatzpunkt, um die Tür von außen zu öffnen.

Elektrisch ausfahrende Türgriffe: Der ADAC warnt schon lange vor dem Trend. (Quelle: Mercedes-Benz AG – Global Communications Mercedes-Benz Cars & Vans)

Behörden sehen keinen Handlungsbedarf

Das Kraftfahrt-Bundesamt verweist auf die Typgenehmigung durch die niederländischen Behörden. Das betroffene Fahrzeug erfülle alle geltenden gesetzlichen Anforderungen.

Einen Rückruf gibt es weder für Tesla noch für andere Hersteller mit vergleichbarer Technik. Eine Anfrage des „Spiegel“ ließ Tesla unbeantwortet.

ADAC fordert klassische Türgriffe

Der ADAC kritisiert versenkbare Türgriffe bereits seit Jahren. Nach Ansicht des Automobilclubs bleibt ein feststehender Bügelgriff mit mechanischer Entriegelung die sicherste Lösung für Ersthelfer. Die von den Herstellern genannten Vorteile könne man nicht nachvollziehen.

Auch bei den Crashtests der Organisation Euro NCAP zeigten sich bislang keine Auffälligkeiten. Nach den Tests wurden die Türen automatisch entriegelt. Ob solche Prüfungen jedoch Situationen wie Feuer, Stromausfall oder beschädigte Elektronik ausreichend abbilden, bleibt offen.

(Quelle: Euro-NCAP)

Das ist Euro NCAP

Euro NCAP steht für European New Car Assessment Programme, zu Deutsch etwa Europäisches Neuwagen-Bewertungsprogramm. Zu den Mitgliedern der Organisation gehören unter anderem der Allgemeine Deutsche Automobil-Club (ADAC) und das Bundesverkehrsministerium.

Kreditkarte als Notwerkzeug

Mercedes verweist darauf, dass die eigenen Fahrzeuge zusätzlich über mechanische Bowdenzüge verfügen, die ein Öffnen auch ohne Strom ermöglichen sollen. Bei einigen Modellen muss der Türgriff dafür allerdings zunächst elektrisch ausfahren.

Auf seiner Internetseite zeigt der Konzern, wie Retter den Griff im Notfall heraushebeln können: mit einer Kreditkarte.

China zieht Konsequenzen

Während europäische Behörden bislang keinen Handlungsbedarf sehen, geht China einen anderen Weg. Die Behörden wollen versenkbare Türgriffe an Neufahrzeugen ab 2027 weitgehend verbieten. Bestandsfahrzeuge sollen bis 2029 nachgerüstet werden.

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