„Der Regenwald ist ein lebensfeindlicher Ort, der Menschen töten kann“, sagt der Mann aus der Savanne, „aber gleichzeitig ist er enorm faszinierend.“ Quesada lebt in Manaus und unternimmt einmal im Monat die sechsstündige Fahrt zur Forschungsstation. Das gibt ihm die Möglichkeit, die Aktivitäten mit dem operativen Leiter des Camps abzustimmen, zu überprüfen, ob alles in Ordnung ist, und Pläne mit dem Team zu besprechen.
Die Reise ist beschwerlich: Quesada fährt mit dem Auto über eine unbefestigte Straße und steigt dann in ein Schnellboot, das ihn ein Stück weiter entlang des Flusses Atuma bringt. Ein Jeep transportiert ihn dann tief in den Wald. Forscher, Doktoranden und Mitarbeiter des Camps schlafen in Hängematten in Gemeinschaftsunterkünften, essen Flussfisch in der Kantine und können abends heiß duschen, was für ein Regenwaldcamp ziemlich luxuriös ist. „Der deutsche Ingenieur, der ursprünglich den richtigen Standort für das Lager gefunden hatte, musste sich mit einer Machete durch den Wald kämpfen“, erklärt Quesada.
Klimaforschung als bürgerliche Verpflichtung
Er betrachtet die Klimaforschung als eine Art bürgerliche Verpflichtung. „Wir wissen nicht, wie viel Zeit uns noch bleibt und wie widerstandsfähig die Wälder wirklich sind.“ Er hält in diesem Zusammenhang die bilaterale Zusammenarbeit für besonders sinnvoll. Die Deutschen seien Experten für Aerosole, Treibhausgase und Biochemie und konzentrierten sich auf atmosphärische Fragen. „Während wir über jahrhundertelange Erfahrung mit den ökologischen Prozessen im Regenwald verfügen und über den Abbau von Stoffen und die dabei entstehenden Gase Bescheid wissen. Und wir sind führend in der Mikrometeorologie“, fügt der brasilianische ATTO-Chef hinzu. Das Wissen auf der einen Seite ermöglicht auf der anderen Seite größere Fortschritte.
