Druck auf die Ministerin wächst
Trotz Sparzwang: Reiche heuert Berater für Millionenbetrag an
09.05.2026 – 00:44 UhrLesedauer: 3 Min.
Wirtschaftsministerin Katherina Reiche will ihre Politik wohl besser verkaufen. Externe Berater sollen ihre dabei für eine stattliche Summe helfen.
Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) kämpft derzeit nicht nur innerhalb der Koalition, sondern auch in der Öffentlichkeit für ihre energiepolitischen Vorschläge. Damit diese auch bei den Bürgern ankommen, hat ihr Ministerium offenbar private PR-Berater beauftragt – und lässt sich das etwas kosten.
Wie aus einem Bericht des Bundesfinanzministeriums auf Anforderung des Haushaltsausschusses im Bundestag hervorgeht, der der „Wirtschaftswoche“ vorliegt, sollen pro Jahr 2,2 Millionen Euro für Berater ausgegeben werden. „Bis zu 2.217.600 Euro (netto)“, steht dort nach Angaben des Magazins wörtlich.
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Vertrag kann jährlich verlängert werden
Es sei ein Rahmenvertrag über zunächst zwei Jahre abgeschlossen worden, beginnend im Februar 2026. Dieser kann um jeweils 12 Monate verlängert werden, heißt es in dem Bericht. Zu den Beratern sollen die Firmen Scholz & Friends und FGS Global gehören. In einer Antwort des Ministeriums heißt es, dass Ziel sei „professionelle Unterstützung zu bekommen und damit effizient und adressatengerecht die Informationspflicht zu erfüllen“.
Zu den vereinbarten Leistungen gehören laut Bericht „“strategische Kommunikationsberatung, Entwicklung von Kommunikationskonzepten, Unterstützung bei der Positionierung in öffentlichen Debatten, Kreation von Kommunikationsmaßnahmen und Content-Erstellung sowie Erarbeitung von Informationsmaterialien in Zusammenhang mit Kampagnen“.
Ministerium hat bereits mehrere PR-Abteilungen
Das Wirtschaftsministerium verfügt wie andere Ministerien auch über eine eigene Presseabteilung. Neben Birgit Korte, die Reiches Pressesprecherin ist, gibt es Sprecherinnen und Sprecher für die Bereiche Energiepolitik, Gas und Wasserstoff und Zukunftstechnologien, Industriepolitik, Maritime Wirtschaft, Mittelstandspolitik sowie Themen der Zentralabteilung, Wirtschaftspolitik und Energiepolitik, Außenwirtschaftspolitik, Europapolitik sowie und Industriepolitik.
Die Grünen kritisierten den Vorgang. Wirtschaftspolitikerin Katrin Uhlig sagte der „Wirtschaftswoche“: „Die Prioritäten von Katherina Reiche werden zunehmend schwerer nachvollziehbar“. Das Ministerium rede zum einen von Sparmaßnahmen, zum anderen verpflichte es externe Kommunikationsberater. „Das sendet gerade in der aktuellen Lage ein völlig falsches Signal“, kritisierte Uhlig.
Reiche ist zunehmend in die Kritik geraten. Innerhalb der Koalition hat sie sich im April mit Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) über Entlastungen bei Spritpreisen öffentlich angelegt. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) musste eingreifen. Außerdem wird ihr vorgeworfen, mit ihrem Kraftwerkgesetz zu sehr auf alte Technologien zu setzen und die Energiewende nicht nachdrücklich zu verfolgen.
RWE nannte Reiche-Entwurf „absurd“
Ein geleakter Entwurf aus dem Haus von Katherina Reiche schlägt unter anderem vor, dass Netzbetreiber künftig selbst entscheiden sollen, ob neue Wind- und Solaranlagen ans Netz angeschlossen werden dürfen oder nicht. Der Chef von RWE, Markus Krebber, übte bei einer Fachmesse scharfe Kritik: „Das ist absurd“, sagte er.
