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Finanzen

Erwerbsunfähig ab 50: So viel Einkommen geht Ihnen verloren

wochentlich.deBy wochentlich.de1 Februar 2024Keine Kommentare5 Mins Read
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Erwerbsunfähig ab 50: So viel Einkommen geht Ihnen verloren
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Psychische Erkrankungen nehmen zu. Eine aktuelle Studie hat die finanziellen Verluste von Führungskräften errechnet – ein halbes Vermögen geht verloren.

Jeder Angestellte hofft, dass sein Gehalt reicht, um für die Zeit nach dem Erwerbsleben abgesichert zu sein. Eine lange Erkrankung kann jedoch zur Berufsunfähigkeit führen, die mit Einbußen beim Erwerbseinkommen verbunden ist – und eine niedrigere Rente zur Folge hat.

Der Gesundheitsexperte und Coachinganbieter Don’t Call Me Sick! hat anhand beispielhafter Erwerbsbiografien mögliche Verluste berechnet und kommt zu einem erstaunlichen Ergebnis: Die Einbußen summieren sich auf einen hohen fünfstelligen Betrag.

Psychische Erkrankungen steigen überproportional

Statistisch gesehen war das Jahr 2022 mit durchschnittlich 15 krankheitsbedingten Fehltagen je Arbeitnehmer rekordverdächtig, 2023 könnte diese Marke nach Berichten der „Rheinischen Post“ mit 20 Fehltagen noch übertreffen.

Psychischer Stress, Druck und hohe Belastungen sind die größten Probleme am Arbeitsplatz. Sie können zu Erkrankungen des Nervensystems führen und waren im vergangenen Jahr die Hauptursache für Berufsunfähigkeit. Diese Entwicklung spiegelt sich auch bei den genehmigten Erwerbsminderungsrenten aufgrund von psychischen Erkrankungen wider.

Deren Anteil am Gesamtvolumen der genehmigten Renten ist in den vergangenen 20 Jahren von 24,2 Prozent auf 43,3 Prozent im Jahr 2023 gestiegen – das entspricht einem Anstieg von knapp 75 Prozent. Zum Vergleich: Der Anteil von Erwerbsminderungsrenten aufgrund der Diagnose Neubildungen, also Krebs, ist im gleichen Zeitraum von 13,5 auf 14,6 Prozent gestiegen – also nur um 8,1 Prozent.

Finanzielle Einbußen können belasten

Kara Pientka ist Senior Lehrcoach und Mitgründerin von Don’t Call Me Sick! In ihrer Coachingpraxis erleben sie und ihre Kollegen und Kolleginnen immer wieder, dass viele nicht nur mit den körperlichen und mentalen Auswirkungen schwerer Krankheiten zu kämpfen haben. Die damit verbundenen finanziellen Einbußen können für die Betroffenen ebenfalls psychisch belastend sein.

„Die gravierenden finanziellen Aspekte müssen aufgrund einer angeschlagenen Psyche verarbeitet werden“, erklärt Peintka. „Psychische Erkrankungen sind mittlerweile der häufigste Grund für eine Berufsunfähigkeit und die Betroffenen sind oft deutlich jünger als angenommen.“

Durchschnittsalter bei Erwerbsunfähigkeit

Das Durchschnittsalter bei Eintritt in die Erwerbsminderungsrente liegt bei knapp über 53 Jahren. Ein Alter, in dem Menschen beruflich auf dem Höhepunkt ihrer Karriere stehen und ein sehr gutes Einkommen haben. Darüber hinaus haben sie möglicherweise Immobilienkredite zu bedienen und unterstützen ihre Kinder während der Ausbildung oder des Studiums.

„Gerade Führungskräfte sind in ihrem Arbeitsleben oft außergewöhnlich belastet und damit einem erhöhten Risiko für langfristige Ausfälle aufgrund einer psychischen Erkrankung ausgesetzt“, so Pientka weiter. „Dass die Sorge um die eigene mentale Gesundheit zu jeder Zeit auch effektive finanzielle Vorsorge ist, ist noch zu wenig verankert.“

So viel Einkommen geht verloren

In der Studie hat der Coaching-Anbieter anhand verschiedener beispielhafter Mitarbeiter in Führungspositionen berechnet, welche finanziellen Folgen eine Arbeitsunfähigkeit für die Betroffenen hat. Zur Analyse herangezogen wurden sechs Berufsbilder mit jenen Median-Gehältern, die im Entgeltatlas der Bundesagentur für Arbeit für diese Berufsgruppen angegeben sind.

Median

Der Median ist nicht zu verwechseln mit dem Durchschnitt. Während beim Durchschnitt alle Werte summiert und dann durch die Anzahl der Werte geteilt werden, geht man beim Median anders vor: Man reiht die Werte auf und teilt sie dann an der Stelle, an der es genau gleich viele Werte größer und kleiner gibt. Der Median ist also der mittlere Wert.
Ein zentraler Vorteil des Median: Er ist robust gegen Ausreißer, also gegen Werte, die sich stark von den anderen unterscheiden.
Ein Rechenbeispiel: Wir haben die Zahlen 1, 5, 8, 20, 30 vorliegen. Der Durchschnitt dieser Zahlen ist 12,8, der Median hingegen 8.

Die Tabelle zeigt, dass grundsätzlich alle, die aufgrund von Erwerbsminderung vorzeitig in Rente gehen, erhebliche finanzielle Einbußen zwischen 60 und 68 Prozent im Vergleich zum letzten Einkommen haben.

Für die Leiterin oder den Leiter einer Versicherungsgeschäftsstelle bedeutet das im konkreten Beispiel eine Erwerbsminderungsrente von knapp 2.700 Euro und damit einen monatlichen Verlust von mindestens 4.000 Euro im Vergleich zu dem Gehalt, das Führungskräfte in dieser Branche im Median verdienen. Summiert vom Beginn der Erwerbsminderungsrente bis zum Eintritt in die Altersrente ergibt das eine Summe von gut 680.000 Euro, die diese Person an Geld verliert – mindestens.

Weitere finanzielle Einbußen sind möglich

Sind Angestellte zu 100 Prozent erwerbsgemindert, können sie in den Jahren zwischen Eintritt der Arbeitsunfähigkeit und der Altersrente keine weiteren Rentenpunkte sammeln. Dadurch fällt nicht nur die zu erwartende Rente geringer aus, sondern durch einen vorzeitigen Renteneintritt würde zusätzlich ein Abschlag von 10,8 Prozent von der regulären Altersrente abgezogen.

Damit wächst die finanzielle Lücke für die Betroffenen noch weiter. Eine Berufsunfähigkeitsversicherung könnte zwar einen Teil des Gehaltes ersetzen für den Fall, dass eine Arbeit aus gesundheitlichen Gründen vorübergehend oder bis zur Rente nicht mehr möglich ist. Allerdings ist es bei den meisten Versicherern nicht möglich, Einkommen über 80 Prozent abzusichern – und es wäre zudem auch extrem teuer.

Frühzeitig gegensteuern

Wer die Wahrscheinlichkeit für eine Berufsunfähigkeit verringern möchte, die durch Stress und hohe psychische Belastungen am Arbeitsplatz ausgelöst wird, sollte frühzeitig gegensteuern. Gesundheitsexperten raten zum Beispiel, sich bei der Arbeit keine unrealistischen oder überhöhten Ziele zu setzen und zu hinterfragen, welche Aufgaben Sie wirklich selbst erledigen müssen – und welche Sie delegieren können. Auch regelmäßige Bewegung und gesunde Ernährung unterstützen den Stressabbau.

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