Fragile Harmonie um Buckelwal Timmy
Plötzlich holt die Tierärztin zum Frontalangriff aus
28.04.2026 – 18:40 UhrLesedauer: 4 Min.

Jubel, Applaus, Freudentränen: Nach mehr als 30 Tagen feiern sich die Retter von Buckelwal Timmy auf der Ostsee-Insel Poel – zu Recht?
Leon Pollok berichtet von der Ostseeinsel Poel.
Mehr als 30 Tage lang haben Angela Deja und Gerd Steinbrecher auf diesen Moment gewartet: Die beiden sitzen an diesem sonnigen Dienstag im Hafen der Ostsee-Insel Poel, zwei Bier vor sich und mit einem strahlenden Grinsen im Gesicht. „Wir haben gesehen, wie Timmy in die Barge geschwommen ist“, sagt die 60-jährige Deja, die die Rettungsaktion des Buckelwals seit Tag eins verfolgt. „Es war unfassbar“, sagt sie. „Alle lagen sich in den Armen.“ „Hope“, so nennen viele den Wal hier, solle ein glückliches Leben im Atlantik führen, das wünsche sie sich für das Tier.
Wenige Momente zuvor war die Sprecherin der privaten Rettungsinitiative, Constanze von der Meden, vor die Kameras getreten, mit Freudentränen im Gesicht. „Ich muss jetzt erst einmal alle meine Leute in den Arm nehmen“, sagt sie sichtlich gerührt. Timmy hatte es nach mehr als 30 Tagen tatsächlich geschafft: Um 14.45 Uhr schwamm er in die sogenannte Barge, also eine Art schwimmendes Becken, nachdem die Helfer zuvor eine gut 100 Meter lange Rinne gebaggert hatten.
Die Helfer der Rettungsinitiative lassen sich feiern, immer wieder hallen „Hope, Hope, Hope“-Sprechchöre durch das Hafengelände von Kirchdorf auf Poel. Jubel brandet immer dann auf, wenn Helfer der DLRG mit einem kleinen Boot in den Hafen einfahren. Sie sind heute Helden, so scheint es. An diesem Tag, von einer auf die andere Sekunde, ist alles anders als bisher.
Umweltminister Backhaus, der sich in einigen Pressekonferenzen in den vergangenen Tagen angesäuert gezeigt hatte, wirkt gelöst. Auch er habe Tränen in den Augen gehabt, als Timmy in die Barge geschwommen sei, sagt er. Der Wal habe „noch mit der Flosse gewunken“, so seine Interpretation. „Wenn er im Atlantik auf seine Mutter trifft, wird die hoffentlich ordentlich mit ihm schimpfen, wo er denn so lange war“, sagt Backhaus.
Im Video | So emotional war die Rettung von Timmy:
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