Zwangsräumung von 87-Jähriger
Miete um 275 Prozent erhöht – Wende im Fall Maricarmen
Aktualisiert am 29.09.2026 – 07:35 UhrLesedauer: 2 Min.
Nach 70 Jahren in derselben Wohnung wurde eine 87-Jährige in Madrid zwangsgeräumt. Der Vorfall löste Massenproteste aus. Nun gibt es eine Einigung in dem Fall.
Nach der Zwangsräumung bei einer 87-Jährigen in Madrid, die landesweite Proteste in Spanien ausgelöst hatte, ist eine Einigung erzielt worden. Maricarmen Abascal darf in ihre Wohnung zurückkehren. „Wenn diese Einigung, die wir erreicht haben, unterzeichnet wird“, werde das „für alle ein besseres und erfreulicheres Ergebnis sein“, sagte die Anwältin der Frau, Beatriz Duro, am Montag.
Die 87-jährige Maricarmen Abascal war am vergangenen Mittwoch auf einer Trage aus ihrer zwangsgeräumten Wohnung in Madrid geholt worden, nachdem ein Investor den Mietpreis nach Angaben des Mieterverbands um 275 Prozent auf 2.650 Euro erhöht hatte. Abascal hatte in der Wohnung 70 Jahre lang gelebt. Der Fall löste massive Proteste im Land aus.

Am Montag versammelten sich in Barcelona anlässlich eines Besuchs von Ministerpräsident Pedro Sánchez rund 2.000 Menschen und forderten wirksame Maßnahmen der Regierung. „Wir wollen kein Trostpflaster, sondern angemessenen Wohnraum“, sagte die Sprecherin der katalanischen Mietervereinigung, Carme Arcarazo.
Sie verlangte einen Stopp für Mieterhöhungen, ein Verbot befristeter Mietverträge und Maßnahmen gegen Zwangsräumungen. Damit spielte sie auf ein Gesetzespaket an, das das Kabinett von Sánchez am Dienstag beschließen will. Die Regierung arbeite „mit Hochdruck“ an einem Maßnahmenpaket, hatte Sánchez dazu gesagt. Ihr fehlt allerdings eine Mehrheit im Parlament. Zuvor war ein ähnliches Gesetz im Parlament gescheitert.

Auf dem zentralen Platz Puerta del Sol in Madrid harrten Protestierende am Montagabend vor Bekanntwerden der Einigung in einem Protestcamp aus. Am Samstag hatten Zehntausende Menschen in der spanischen Hauptstadt gegen die Wohnungsnot und hohe Mieten demonstriert. Anschließend errichteten Hunderte Menschen Zelte.
Sie werde „noch mindestens eine Nacht bleiben“, sagte Demonstrantin Beatriz Blanco in dem Camp vor dem Bekanntwerden der Einigung. Die Mieten seien „völlig verrückt“. „Es ist eine absolut untragbare Situation.“
Stark gestiegene Mieten und Wohnraummangel sind Umfragen zufolge für die Spanier schon seit geraumer Zeit das Problem Nummer eins im Land. Laut dem Immobilienportal „Idealista“ haben sich die Durchschnittsmieten in Spanien in den vergangenen zehn Jahren fast verdoppelt. Die spanische Zentralbank schätzt, dass landesweit mehr als 700.000 Wohnungen fehlen.