357 Jahre vor Timmy
Wal verirrte sich bis nach Bremen – und entfachte Drama
Aktualisiert am 05.05.2026 – 22:28 UhrLesedauer: 2 Min.
Millionen fieberten mit dem gestrandeten Buckelwal Timmy mit. Auch nach Bremen haben sich schon Wale verirrt. An einen von ihnen erinnert ein riesiges Gemälde im Rathaus.
Dass Wale an deutschen Küsten stranden, kommt eher selten vor. Es gab jedoch sogar mehrere Vorfälle, bei dem sich Wale bis nach Bremen verirrten.
Eine Erinnerung daran hängt im Bremer Rathaus: In der Oberen Halle ist das größte bekannte Gemälde eines Wals nicht zu übersehen. Franz Wulfhagen malte das 3,55 mal 9,55 Meter große Ölgemälde im Jahr 1669. Am unteren Bildrand steht, was es damit auf sich hat.
Denn am 8. Mai 1669 verirrte sich ein neun Meter langer Zwergwal in die Einmündung der Lesum zur Weser in Bremen. Das Tier sei vermutlich bei der Nahrungssuche Lachsen stromaufwärts gefolgt, teilt die Wirtschaftsförderung mit. Es war nicht der einzige Vorfall. 1608 wurde bei Lesumbrook ein Wal gefangen und erlegt, ein weiterer strandete 1670 bei Lemwerder.
Damals war die Wassertiefe der Unterweser durch die Versandung so gering, dass Schiffe oft nur bei Flut bis nach Bremen fahren konnten. Auch der Flusslauf war im 17. Jahrhundert voll mit Seitenarmen, Inseln und Sandbänken, so dass Wale sich leicht verirren konnten.
Der Zwergwal, der das Ölgemälde ziert, wurde von Walfängern aus Vegesack getötet. Zuvor war jedoch ein Streit zwischen der Stadt Bremen und Schweden entbrannt. Damals bildete die Lesum die Grenze zwischen dem bremischen Gebiet und dem Herzogtum Bremen-Verden, das unter schwedischer Hoheit stand.
Es ist nicht überliefert, an welchem Ufer der Wal strandete, doch sowohl Bremen als auch Schweden wollten das wertvolle Tier für sich beanspruchen. Letztendlich schlugen Walfänger aus Vegesack zu, töteten den Zwergwal, zerlegten ihn und kochten Tran aus seinem Speck. Das Skelett hing bis 1815 als Trophäe an der Balkendecke der Oberen Rathaushalle.
