Bundesanwaltschaft

Zweiter Nord-Stream-Verdächtiger in Kroatien gefasst

Aktualisiert am 19.08.2026 – 15:41 UhrLesedauer: 3 Min.

Polen lehnte die Auslieferung des Ukrainers ab. (Archivbild) (Quelle: Czarek Sokolowski/AP/dpa/dpa-bilder)

Zum zweiten Mal lässt die Bundesanwaltschaft einen mutmaßlich an den Nord-Stream-Anschlägen beteiligten Taucher festnehmen – diesmal an der kroatischen Küste. Kommt er nun in Deutschland vor Gericht?

Seit Jahren sind deutsche Ermittler dem siebenköpfigen Team auf der Spur, das im September 2022 die Nord-Stream-Pipelines in der Ostsee gesprengt haben soll. Nur einer von ihnen, der Ukrainer Serhij K., sitzt bisher in deutscher Untersuchungshaft. Ein zweiter Verdächtiger wird im vergangenen Herbst zwar in Polen gefasst. Doch die polnische Justiz will den Mann nicht nach Deutschland ausliefern. Er kommt frei – jedenfalls bis jetzt.

Am Mittwochmorgen geht Wolodymyr Z. den Ermittlern erneut ins Netz. Diesmal wird der Ukrainer auf Grundlage eines Europäischen Haftbefehls in der kroatischen Küstenstadt Pula gefasst. Die Bundesanwaltschaft wirft ihm unter anderem das gemeinschaftliche Herbeiführen einer Sprengstoffexplosion vor und will ihn in die Bundesrepublik überstellen lassen. Klappt es beim zweiten Versuch mit einer Strafverfolgung in Deutschland?

Wie es zu den Nord-Stream-Sprengungen kam

Hintergrund der Ermittlungen von Deutschlands oberster Anklagebehörde sind die Sprengungen nahe der dänischen Ostseeinsel Bornholm, die die beiden Nord-Stream-Pipelines im September 2022 so sehr beschädigten, dass kein Gas mehr durchgeleitet werden konnte. Durch Nord Stream 1 floss vorher russisches Erdgas nach Deutschland, Nord Stream 2 war noch nicht in Betrieb. Allerdings war in den Monaten nach Kriegsbeginn die Durchleitung von Gas durch Nord Stream 1 von russischer Seite bereits mehrfach stark gedrosselt oder ganz gestoppt worden.

Die Sprengsätze detonierten am 26. September 2022. (Archivbild) (Quelle: -/Danish Defence Command/dpa/dpa-bilder)

Die Ermittler gehen davon aus, dass sich die sieben mutmaßlichen Täter mit der Segeljacht Andromeda zu den Gaspipelines begeben hatten – unter ihnen ein Schiffsführer, ein Sprengstoffexperte und vier Tiefseetaucher. Bei Tauchgängen in bis zu 80 Metern Tiefe sollen sie vier mit Zeitzündern versehene Sprengsätze an den Pipelines befestigt haben, die am 26. September 2022 detonierten. Bei Wolodymyr Z. soll es sich um einen der beteiligten Taucher handeln.

Wohin die Ermittlungen bisher führten

Koordiniert wurde die Operation nach Überzeugung der Bundesanwaltschaft von Serhij K., damals Offizier der ukrainischen Streitkräfte. Er konnte vor einem Jahr im Italien-Urlaub mit seiner Familie festgenommen werden. Nach langem juristischen Hin und Her wurde er nach Deutschland ausgeliefert. Vor einigen Wochen erhob die Bundesanwaltschaft Anklage am Oberlandesgericht in Hamburg – unter anderem wegen Kriegsverbrechen. Ob das Gericht die Anklage zulässt und wann es den Prozess ansetzt, ist noch offen.

Während sich Serhij K. in Italien noch gegen seine Auslieferung wehrte, war in Polen Ende September 2025 sein mutmaßlicher Komplize Wolodymyr Z. gefasst worden. Er saß zeitweise in Untersuchungshaft, am Ende lehnte die polnische Justiz den deutschen Auslieferungsantrag aber ab. Polens Regierungschef Donald Tusk hatte zuvor betont, es liege nicht im Interesse seines Landes, den Mann anzuklagen oder an einen anderen Staat auszuliefern. Die politische Führung Polens war stets gegen den Bau der Pipeline.

Share.
Leave A Reply

Exit mobile version