Nach monatelanger Sperrung
Pendler atmen auf: Freie Fahrt zwischen Hamburg und Berlin
Aktualisiert am 14.06.2026 – 07:44 UhrLesedauer: 3 Min.
Mehr als 200 Ersatzbusse, 45 Minuten längere Fahrzeit im Fernverkehr: Am 14. Juni endet das Bahnleid Hamburg–Berlin – doch ein Versprechen blieb unerfüllt.
Rund zehneinhalb Monate Ersatzverkehr, Umleitungen über Stendal und Uelzen sowie Fahrtzeitverlängerungen von bis zu 45 Minuten im Fernverkehr haben ein Ende: Am Sonntagmorgen (14. Juni) gab die Deutsche Bahn die Strecke zwischen Hamburg und Berlin auf ganzer Länge wieder frei. Um 5.36 Uhr fuhr am Hamburger Hauptbahnhof der erste Fernverkehrszug Richtung Hauptstadt ab – um Berlin planmäßig in weniger als zwei Stunden erreichen. Regionalzüge sind laut DB noch früher unterwegs.
Die Verbindung gilt als wichtigste Direktverbindung im Fernverkehr zwischen zwei Städten in Deutschland. Vor Beginn der Sanierung nutzten täglich rund 30.000 Fahrgäste die rund 280 Kilometer lange Strecke – darunter viele Pendler.
Halbstundentakt kehrt zurück – Fahrzeit steigt leicht
Fernzüge fahren von Sonntag an wieder im gewohnten Halbstundentakt, Regionalzüge verkehren auf den üblichen Linien. Der Ersatzverkehr mit mehr als 200 Bussen wird eingestellt. Bis Ende des Monats müssen ICE-Züge abschnittsweise noch langsamer fahren, weil Technik getestet wird.
Einen kleinen Wermutstropfen gibt es für Reisende: Die planmäßige Fahrzeit der ICE verlängert sich nach Abschluss der Sanierung um zwei Minuten auf 107 Minuten. Eine Bahnsprecherin erklärte das mit dem dichteren Zugverkehr: „Das ist wie auf der Straße. Wenn viele Autos unterwegs sind, wird langsamer gefahren.“ Die Änderung gilt zunächst nur für den diesjährigen Fahrplan.
Frost verzögerte Fertigstellung
Die Generalsanierung hatte am 1. August 2025 begonnen, ursprünglich sollte sie bis zum 30. April 2026 abgeschlossen sein. Frost zu Jahresbeginn bremste die Arbeiten: Kabelschächte konnten nicht ausgehoben, Arbeiten an Oberleitungen nur eingeschränkt ausgeführt werden. Die Bahn gab die Strecke damit rund eineinhalb Monate später als geplant frei. Einen ersten Abschnitt hatte sie Mitte Mai wieder geöffnet, seitdem fahren Züge wieder zwischen Hamburg und Schwerin.
Erneuert wurden unter anderem Gleise, Weichen und Signale sowie 28 Bahnhöfe – inklusive Toiletten, Wetterschutzhäuser und Fahrradständer. An mehreren Bahnhöfen wurden Bahnsteige verlängert, damit längere Züge halten können. Den Streckenzustand bewertete die Bahn vor der Sanierung mit der Note 3,7, für danach prognostizierte sie die Note 2,3.
Kosten offen, digitale Leittechnik fehlt
Was die Sanierung am Ende kostet, ist noch unklar. Angedacht waren 2,2 Milliarden Euro. Die abschließende Kostenermittlung werde erst nach Ende der Bauarbeiten vorgenommen, teilte die DB mit – eine neue Zahl nannte sie nicht.
Offen bleibt auch, wann das europäische Zugsteuerungssystem ETCS auf der Strecke aktiv sein wird. Obwohl es nach EU-Vorstellung Standard werden soll und trotz entsprechender ursprünglicher Planung, verzichtete die Bahn auf eine Installation im Zuge der Sanierung – und erntete dafür Kritik. „Eine Ausrüstung mit ETCS wird in den frühen 2030er-Jahren erfolgen“, teilte die Bahn mit. Das System würde ermöglichen, dass Züge dichter hintereinander fahren können.
