Zahn-im-Auge-Operation

Wie ein Zahn einem Blinden zum Sehen verhalf


17.08.2025 – 12:33 UhrLesedauer: 2 Min.

Operation am Auge (Symbolbild): Ein Zahn kann helfen, um das Augenlicht wiederzuerlangen. (Quelle: imago-images-bilder)

Eine seltene OP verhalf einem Kanadier zu neuem Augenlicht. Was hinter der ungewöhnlichen Methode steckt – und was ein Zahn damit zu tun hat.

Nach 21 Jahren, in denen er blind war, kann der Kanadier Brent Chapman seit Kurzem wieder sehen. Sein Augenlicht verdankt er einer speziellen Operation, die für den Laien im ersten Moment unwirklich wirkt: die sogenannte Zahn-im-Auge-Operation (Englisch Tooth-In-Eye-Operation oder Osteo-Odonto-Keratoprothese, kurz OOKP).

Die Operation ist ein komplexes Verfahren, das vor allem bei Menschen angewendet wird, deren Hornhaut so stark geschädigt ist, dass eine normale Transplantation nicht mehr möglich ist. Dabei wird dem Patienten ein eigener Zahn samt Kieferknochenstück entnommen. In diese Zahnwurzel wird ein kleines Plexiglas-Fenster, eine Art künstliche Linse, fest eingeklebt.

Dieses Zahn-Knochen-Stück mit der Linse wird anschließend auf das erkrankte Auge verpflanzt und mit Mundschleimhaut bedeckt. Das Plexiglas ragt dann wie ein kleines Guckloch durch die Hornhaut und ermöglicht es, dass wieder Licht ins Auge fällt und auf die Netzhaut trifft. So entsteht erneut ein klares Bild, und viele Patienten können dadurch wieder lesen und sich im Alltag besser orientieren.

Die größten Risiken des Verfahrens sind, dass sich das eingesetzte Zahn-Knochen-Stück im Laufe der Zeit abbaut oder lockert („anatomisches Versagen“) oder dass ein Glaukom entsteht, also ein krankhafter Anstieg des Augeninnendrucks. Studien zeigen aber, dass die Haltbarkeit dieser Prothese außergewöhnlich hoch ist.

In manchen Untersuchungen blieb das Implantat bei rund 85 Prozent der Patienten auch nach 18 Jahren noch stabil. Neuere Daten berichten sogar von über 90 Prozent Stabilität über Zeiträume von bis zu 30 Jahren. In den meisten Fällen verbessert sich das Sehvermögen langfristig deutlich und bleibt über viele Jahre erhalten.

Chapman verlor sein Augenlicht durch eine allergische Hauterkrankung, nachdem er Ibuprofen genommen hatte. Damals war er 13 Jahre alt. In den vergangenen 20 Jahren unterzog er sich rund 50 Operationen, darunter zehn Hornhauttransplantationen, die jedoch meist nur kurzfristig Wirkung zeigten. Die OOKP sah er als letzte Chance, wie er dem kanadischen Rundfunk CNC sagte.

Die Augenoperation sei nicht risikofrei – es bestehe die Gefahr von Infektionen und vollständigem Sehverlust, sagte Chapmans Arzt dem Sender CBC. Trotzdem werde sie seit Jahrzehnten in mehreren Ländern mit hoher Erfolgsquote durchgeführt.

Die Idee zur Zahn-im-Auge-Prothese geht zurück auf den italienischen Augenchirurgen Benedetto Strampelli, der das Verfahren Anfang der 1960er-Jahre in Rom entwickelte und damit eine neue Möglichkeit zur Wiederherstellung des Sehens schuf. Seither wurde die Methode in speziellen Zentren weiterentwickelt.

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