Risiko für chronische Wunden
Diese Folgen drohen bei einer gestörten Wundheilung
Aktualisiert am 29.09.2025 – 08:15 UhrLesedauer: 4 Min.
Chronische Wunden heilen nur schwer. Die gestörte Wundheilung hat Folgen. Nicht nur das Risiko für Infektionen steigt. Was die Heilung unterstützt.
Kleine, akute Verletzungen heilen normalerweise innerhalb weniger Tage. Anders ist das bei chronischen Wunden. Aufgrund einer gestörten Wundheilung schließt sich die Wunde nicht. Das kann zu einem ernsten gesundheitlichen Risiko werden. Besonders ältere Menschen und Menschen mit bestimmten Vorerkrankungen sind betroffen.
Mediziner unterscheiden akute und chronische Wunden. Akute Wunden entstehen plötzlich und heilen – abhängig von der Größe der Wunde – in der Regel nach einigen Tagen bis wenigen Wochen komplikationslos ab. Zu den akuten Wunden gehören zum Beispiel kleinere Hautverletzungen wie Schnittwunden und Schürfwunden, aber auch größere Verletzungen, etwa Operationswunden und Unfallverletzungen.
Chronische Wunden hingegen schließen sich nicht oder heilen nur unvollständig ab. Eine Wunde gilt als chronisch, wenn trotz fachgerechter Behandlung innerhalb von vier bis zwölf Wochen keine Heilung eintritt. Eine chronische Wunde ist nicht nur schmerzhaft, auch das Risiko für Komplikationen, wie eine Infektion oder das Absterben von Gewebe, ist erhöht.
Eine chronische Wunde ist keine eigenständige Erkrankung, sondern die Folge anderer zugrunde liegender Gesundheitsprobleme. Häufige Ursachen von Wundheilungsstörungen sind:
- Durchblutungsstörungen: Eine schlechte Durchblutung stört die Versorgung der Haut mit Sauerstoff und Nährstoffen und beeinträchtigt dadurch die Hautregeneration.
- Venenschwäche: Dies ist eine häufige Ursache für ein „offenes Bein“ (Ulcus cruris).
- Druckbelastung: Eine häufige Folge von Bettlägerigkeit ist ein Druckgeschwür (Dekubitus).
- Diabetes mellitus: Ist mit einer schlechten Wundheilung, einer erhöhten Anfälligkeit für Infektionen sowie mit Nervenschädigungen verbunden.
- Immunschwäche: Ein schwaches Immunsystem kann die Wundheilung erheblich beeinträchtigen.
- Hohes Alter: Mit zunehmendem Alter laufen Regenerations- und Heilungsprozesse langsamer ab.
Von chronischen Wunden häufig betroffene Körperstellen sind Unterschenkel und Füße – vor allem aufgrund von Durchblutungsstörungen und Venenschwäche. Fußsohlen und Zehen sind beim diabetischen Fußsyndrom oft betroffen. Fersen, Kreuzbein und Gesäß sind typische Stellen für Druckgeschwüre – insbesondere bei Bettlägerigkeit oder Rollstuhlabhängigkeit. Auch Hautverletzungen, die durch einen Unfall oder eine Operation entstanden sind, können unter Umständen chronisch werden.
Zu den Warnzeichen einer chronischen Wunde beziehungsweise einer Infektion der Wunde gehören das Ausbleiben der Heilung, Schmerzen, Rötung, Schwellung, eitriges Wundsekret, ein unangenehmer Geruch sowie unter Umständen Blutungen und Fieber. Zeigt eine Wunde Anzeichen einer Infektion oder heilt sie nicht ab, sollten Betroffene in jedem Fall einen Arzt aufsuchen. Dann reicht eine Selbstbehandlung nicht aus.
Je länger eine Wunde offen ist, desto größer ist das Risiko für eine Infektion. Unter anderem besteht bei chronischen Wunden die Gefahr einer Blutvergiftung (Sepsis). Offene Wunden sind Eintrittspforten für Bakterien. Vermehren sie sich in der Wunde, können sie über das Lymph- und Blutgefäßsystem schlimmstenfalls in den Blutkreislauf gelangen. Eine Sepsis ist der schwerstmögliche Verlauf, den eine Infektionskrankheit nehmen kann. Es handelt sich um einen lebensbedrohlichen medizinischen Notfall, der umgehend ärztlich behandelt werden muss.
Ebenso sind chronische Wunden mit einem erhöhten Risiko für dauerhafte Gewebeschäden und gegebenenfalls Knochenschäden verbunden. Stirbt Gewebe ab, sprechen Mediziner von einer Nekrose. Das abgestorbene Gewebe muss chirurgisch entfernt werden. Schlimmstenfalls wird eine Amputation notwendig – beim diabetischen Fuß etwa die Amputation von betroffenen Zehen.
Zudem bedeuten chronische Wunden eine deutliche Einschränkung der Lebensqualität. Ständige Schmerzen, Bewegungseinschränkungen und eine aufwendige Wundversorgung belasten Betroffene stark – auch psychisch. Viele ziehen sich aus dem sozialen Leben zunehmend zurück – teilweise aus Scham. Der Schlaf kann ebenfalls leiden, was zu Erschöpfung und Müdigkeit am Tag führt und die Belastung verstärkt.
Die Behandlung chronischer Wunden ist komplex und richtet sich nach der Ursache. Sie erfordert eine spezielle medizinische sowie regelmäßige Behandlung. Wichtige Maßnahmen für die Wundversorgung sind beispielsweise:
