Sabotage in NRW
Wüst will Betreiber kritischer Infrastruktur aufrüsten lassen
04.09.2026 – 03:24 UhrLesedauer: 2 Min.
Feuerwerksraketen als Waffe gegen die Stromversorgung: Nach dem Sabotageakt in Bergheim meldet sich Wüst zu Wort – mit einer klaren Forderung an den Staat.
Feuerwerksähnliche Raketen mit leitfähigem Material – so soll der Sabotageakt auf das Umspannwerk im Bergheimer Ortsteil Rheidt bei Köln abgelaufen sein. Nun hat sich NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst zu dem Vorfall geäußert und mehr Anstrengungen für den Schutz kritischer Infrastruktur gefordert.
„Angriffe auf unsere kritische Infrastruktur sind Angriffe auf das Leben von uns allen, weil kritische Infrastruktur ist genau das, auf das wir uns jeden Tag verlassen müssen“, sagte der CDU-Politiker dem WDR.
Wüst: Betreiber müssen schützen und verteidigen können
Wüst forderte, der Staat müsse im Zweifel die Regeln so gestalten, dass Betreiber auch verteidigen und schützen können. Konkret sprach er dabei auch die Frage an, wer Drohnen vom Himmel holen darf. Wenn der Staat nicht überall sein könne, dann müsse er die Betreiber dazu in die Lage versetzen, so Wüst.
Ferner zeigte sich der Ministerpräsident offen für eine Ausweitung der Videoüberwachung. Videoüberwachung auf privatem Gelände sei okay – doch sobald es auf den Bürgersteig gehe, stoße das an Grenzen. Hier müsse die Politik Antworten liefern, damit auch Einwirkungen von außen erkannt werden können, um Infrastruktur zu schützen.
Ermittler prüfen zwei Richtungen
Unbekannte hatten am Dienstagmorgen den Sabotageakt gegen das Umspannwerk in Bergheim bei Köln verübt. Nach bisherigen Erkenntnissen wurden feuerwerksähnliche Raketen mit leitfähigem Material über Höchstspannungsleitungen gelenkt, was zu einem Kurz- beziehungsweise Erdschluss führte. Ermittler fanden sechs Abschussvorrichtungen in einem Feld nahe der Anlage.
Die Behörden ermitteln in zwei Richtungen: ein linksextremer Hintergrund oder ein hybrider Angriff aus dem Ausland. NRW-Innenminister Herbert Reul hatte beide Szenarien nicht ausgeschlossen.
Durch den Vorfall gingen fünf Braunkohlekraftwerksblöcke von RWE mit einer Gesamtkapazität von rund 4.200 Megawatt vom Netz. Zum Zeitpunkt der Störung speisten die Anlagen zusammen rund 3.000 Megawatt ins Netz ein. Mehrere Blöcke wurden im Laufe des Mittwochs wieder hochgefahren; bei zwei weiteren rechnet RWE erst zum Wochenende mit einer Wiederinbetriebnahme. Auch an einem Umspannwerk in Dormagen in der Nähe von Köln wurde in der Nacht von Donnerstag auf Freitag ein Gegenstand entdeckt.
Randnotiz: WDR-Panne am Abend des Anschlags
Einen unfreiwilligen Nebeneffekt hatte der Abend auch für den WDR – wenngleich technisch völlig unabhängig vom Anschlag. Als die „Lokalzeit Köln“ um 19.30 Uhr auf Sendung gehen sollte, fiel laut Bericht des „Express“ am Mittwochabend ausgerechnet der Bildmischer aus – die zentrale Schaltstelle, über die Bild und Ton zusammengeführt werden. WDR-Sprecherin Heike Foerster bestätigte dem „Express“ die technische Störung.
Was folgte, war ein minutenlanger Tonausfall: Moderatorin Julia Kleine war zu sehen, ihre Worte aber nicht zu hören. Nach einer Unterbrechung mit Stadtbildern aus Köln, die mit Musik unterlegt waren, schaltete das Programm ohne Ankündigung zur „Lokalzeit aus Bonn“ um. Die Sendung vom 2. September 2026 ist in der ARD-Mediathek nicht abrufbar.