„Skandal im Sperrbezirk“

Wiesnchef Scharpf: „Auf so eine Idee wäre ich niemals gekommen“


27.05.2026 – 06:03 UhrLesedauer: 2 Min.

Christian Scharpf: Für den Wiesn-Chef gehört die Spider Murphy Gang einfach zu München. (Quelle: IMAGO/B. Lindenthaler/imago)

Erlangen hat ihn auf die Problemliste gesetzt – doch auf der Wiesn hat der Wiesnchef das letzte Wort. Und das fällt so deutlich aus, dass keine Fragen offenbleiben.

Wenn auf dem Oktoberfest die Bässe dröhnen und tausende Menschen mitsingen, ist „Skandal im Sperrbezirk“ meist nicht weit. Der Hit der Spider Murphy Gang – eine Münchner Band, ein Münchner Song, seit Jahrzehnten Wiesn-Inventar – steht nun überraschend im Mittelpunkt einer bayernweiten Debatte. Wiesnchef Christian Scharpf (SPD) hat sich deshalb zu Wort gemeldet: „Auf so eine Idee wäre ich niemals gekommen.“

Auslöser ist kein Streit in München, sondern in Erlangen. Dort hat die Stadtverwaltung den Festwirten der Bergkirchweih eine Liste mit zwölf Liedern zukommen lassen, die die städtische Gleichstellungsstelle für problematisch hält – darunter auch der Spider-Murphy-Gang-Hit. Ein Verbot ist es ausdrücklich nicht: Das Erlanger Liegenschaftsamt betonte, die Liste sei als „Orientierung und Sensibilisierung“ gedacht. Das gemeinsame Ziel mit Wirten und Schaustellern sei „ein friedliches und respektvolles Fest für alle“.

Scharpf ließ die Debatte dennoch nicht unkommentiert. Auf Instagram und Facebook veröffentlichte er nach eigenen Angaben eine Klarstellung, weil er „immer wieder auf die aktuelle Debatte angesprochen wurde“. Darin verteidigte er den Song als „ein Stück Münchner Musikgeschichte“ – einer, der sich „satirisch und obrigkeitskritisch mit dem strikten Vorgehen der Stadt München in den 80er Jahren bei Prostitution in der Innenstadt und in Wohnvierteln auseinandersetzt.“ Für ihn ist die Sache eindeutig: Der Song sei „in München seit Jahrzehnten ein echter Kracher, der auf keiner Party fehlen darf, auch nicht auf der Wiesn!“

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Dass Lieder auf dem Oktoberfest zum Politikum werden können, hat München bereits erlebt. Als 2022 „Layla“ in mehreren Festzelten zunächst nicht gespielt wurde, weil viele den Song als sexistisch empfanden, endete die Debatte mit einer Pointe: Am Ende war er der meistgesungene Hit der gesamten Wiesn.

In Erlangen ist der Streit um die Liste derweil nicht verstummt. FDP-Landeschef Matthias Fischbach nannte das Vorgehen „kurioser Blacklisting“. Auf der Wiesn wird das niemanden scheren – dort läuft der Song.

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