Wanda Perdelwitz starb vor einem Jahr
Die Schauspielerin, die Hamburg leise prägte
Aktualisiert am 06.10.2026 – 19:00 UhrLesedauer: 3 Min.
Am 6. Oktober 2025 starb Wanda Perdelwitz. Sie war das Herz des „Großstadtreviers“ und eine feste Größe auf Hamburgs Bühnen.
Auf der Reeperbahn wurde für sie gespielt, als sie schon nicht mehr da war. Das St. Pauli Theater widmete Wanda Perdelwitz die Premiere von „Ein Stück Großstadtrevier“ – dort, wo sie zehn Jahre lang das Gesicht der gleichnamigen Serie war. Für viele in der Stadt war sie mehr als eine Fernsehschauspielerin: eine Kollegin, eine Bekannte, eine vertraute Präsenz auf Bühne und Bildschirm. Ihr Tod vor einem Jahr traf Hamburg tief – weil er ein Leben beendet hat, das eng mit dieser Stadt verbunden war.
Wanda-Colombina Perdelwitz wurde 1984 in Ost-Berlin geboren, in eine Theater- und Filmfamilie. Früh stand sie vor der Kamera, studierte Schauspiel in Rostock, arbeitete an Bühnen in Braunschweig, Schwerin und am Berliner Maxim-Gorki-Theater. Doch ihr eigentliches Zuhause fand sie später – in Hamburg. Hier, wo die Arbeit am Set nicht glänzen sollte, sondern echt wirken, passte sie hin.

Bekannt wurde sie 2012 mit dem „Großstadtrevier“. Zehn Jahre lang spielte sie dort die Polizistin Nina Sieveking – eine Figur mit Witz, Herz und Haltung. Für viele Zuschauer war sie das Gesicht einer neuen Generation im Revier: glaubwürdig, norddeutsch, ohne Attitüde. Der NDR lobte ihre „Wärme, Energie und Authentizität“, und auch ihre Kolleginnen beschrieben sie als jemand, der die leisen Töne beherrschte, ohne an Präsenz zu verlieren.
Heimweh nach Heimat
Hamburg blieb für Wanda Perdelwitz nicht nur Drehort, sondern Lebensort. Sie wohnte hier, spielte an den Kammerspielen, im Winterhuder Fährhaus und am Ernst Deutsch Theater. Dem „Hamburger Abendblatt sagte sie einmal: „Ich komme aus Ostberlin, und Hamburg ist als sehr westdeutsche und weltoffene Stadt für mich eine zweite Heimat geworden.“ Ein Austausch zwischen Ost- und West sei ihr immer wichtig gewesen.
In einem Interview mit dem „RedaktionsNetzwerk Deutschland“ sagte sie zudem, die Hamburger hätten zwar den Ruf, kühl und rau zu sein, „aber wenn man sie näher kennenlernt, sind sie sehr viel freundlicher und umgänglicher. Hinter der kühlen Fassade steckt meistens eine herzliche und ehrliche Person.“ Diese Offenheit, gepaart mit Bodenhaftung, gefiel ihr – sie passte zu ihrem eigenen Blick auf die Stadt.

Nach ihrem Abschied vom „Großstadtrevier“ wandte sie sich neuen Projekten zu: dem ZDF-„Traumschiff“, der RTL-Reihe „Behringer und die Toten“ und vor allem eigenen Ideen. 2025 entwickelte sie mit der Körber-Stiftung ein Soloprogramm mit Liedern – „Heimweh nach Heimat“. Es war ein stilles, persönliches Projekt, das zeigte, wie sehr sie in dieser Stadt angekommen war.