Keime in der öffentlichen Toilette
Ist es wirklich sinnvoll, die Klobrille mit Papier auszulegen?
Aktualisiert am 28.09.2026 – 11:45 UhrLesedauer: 3 Min.
Viele Menschen ekeln sich vor öffentlichen WCs – und versuchen, Keimen aus dem Weg zu gehen. Doch so mancher vermeintliche Schutz übersteht die wissenschaftliche Überprüfung nicht.
Öffentliche Toiletten sind für die meisten Menschen keine Orte zum Wohlfühlen. Denn die Sauberkeit lässt oft zu wünschen übrig. So manch einer versucht, sich vor potenziellen Keimen zu schützen, indem er die WC-Brille mit Toilettenpapier auslegt.
Doch Experten sind sich einig, dass das keinen echten Vorteil bringt. Denn auch das Toilettenpapier ist oft schon kontaminiert. Aber wie groß ist überhaupt die Gefahr, sich auf öffentlichen Toiletten mit Keimen zu infizieren?
Toilettenpapier schützt kaum vor Keimen
Wer die Klobrille sorgfältig mit Toilettenpapier bedeckt, fühlt sich möglicherweise wohler. Einen zuverlässigen Schutz vor Krankheitserregern bietet die Papierschicht allerdings nicht. Denn das Papier besitzt Poren und bildet deshalb keine sichere Barriere zwischen Haut und Keimen auf der WC-Brille.
Ein weiterer Grund: Wenn beim Spülen der Deckel geöffnet bleibt, können Fäkalkeime durch die Luft wirbeln und sich dann auf dem Papier absetzen. Untersuchungen haben gezeigt, dass bei jedem Spülgang Zehntausende Tröpfchen (sogenannte Aerosole) aus der Toilette in die Luft aufsteigen – und das bis zu 200 Zentimeter über der Schüssel.
Da in öffentlichen Toiletten der Deckel zumeist offen bleibt oder gar nicht existiert, können sich also bei jedem Spülgang erneut Krankheitserreger ausbreiten und auf dem Toilettenpapier niederlassen.
Die häufigsten Erreger
In Toilettenräumen sind oft Durchfallerreger wie Escherichia Coli-Bakterien, Enterokokken und Clostridium difficile oder auch Noro- und Rotaviren zu finden.
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Sollte man sich anders vor den Erregern auf dem Sitz schützen?
Die gute Nachricht: Eine dichte Barriere zwischen Toilettensitz und Haut brauchen gesunde Menschen in der Regel nicht. Jill Roberts, Professorin für öffentliche Gesundheit und Mikrobiologie an der University of South Florida, schätzt das Risiko einer Ansteckung allein durch das Sitzen auf einer Toilettenbrille im Sender BBC als äußerst gering ein. Wunden an der Haut der Oberschenkel oder des Gesäßes erhöhen das Risiko allerdings etwas, so die Expertin.
Die Haut schützt beispielsweise vor vielen sexuell übertragbaren Erkrankungen. Die Erreger von Krankheiten wie Gonorrhö oder Chlamydien überleben außerhalb des menschlichen Körpers meist nicht lange. Für eine Ansteckung benötigen sie in der Regel direkten Kontakt der Genitalien beziehungsweise den Austausch von Körperflüssigkeiten.
Auch eine Harnwegsinfektion fängt man sich normalerweise nicht durch das Sitzen auf einer öffentlichen Toilette ein. Dafür müssten Darmkeime von der WC-Brille in die Harnwege gelangen. Deutlich wahrscheinlicher ist es, dass eigene Darmbakterien beim Abwischen in die Nähe der Harnwege gelangen.
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