Zuschauerschwund bei den Privaten
Jetzt rächt sich die einstige Erfolgsformel
10.10.2026 – 18:03 UhrLesedauer: 4 Min.
Ingo Lenßen, Barbara Salesch, Alexander Hold und Co. – sie alle kehren mit Primetime-Specials zurück ins deutsche Fernsehen. Doch warum ausgerechnet jetzt?
Das deutsche Fernsehen wandelt sich. Sender sprechen von Sparkursen, Entlassungen und Showabsetzungen. Gleichzeitig werden jedoch auch neue Formate angekündigt – mit altbekannten Gesichtern. Gerichtsshows, die in den 2000er-Jahren im Nachmittagsprogramm beheimatet waren, sind wieder da.
TV-Richterin Barbara Salesch feierte ihr Comeback bei RTL schon 2022, im Juni 2025 wanderte sie dann erstmals mit einem Special in die Primetime um 20.15 Uhr. Im vergangenen September folgte ein zweiter Primetime-Fall. Auch ihr Kollege Ulrich Wetzel war im Mai 2026 um 20.15 Uhr bei RTL zu sehen. Richter Alexander Hold wird im Oktober in Spielfilmlänge zur Primetime auf Sat.1 verhandeln.
Überdies kündigte Sat.1 an, Ingo Lenßen zurückzuholen. Früher war er der Rechtsanwalt bei „Lenßen & Partner“ und lief im Vorabendprogramm. Nun wird er mit drei Filmen, jeweils um 20.15 Uhr, sein Comeback feiern. Der Trend ist deutlich zu erkennen. Doch warum kommen die alten Formate ausgerechnet jetzt zurück?

Fernseh- und Medienwissenschaftler Dr. Christian Richter erklärt im Gespräch mit t-online: „Die Umsätze im Markt für Fernsehwerbung sind in Deutschland in den vergangenen Jahren stark eingebrochen. Dazu kommen sinkende Reichweiten, vor allem für kommerzielle Sender.“ Jahrzehntelang war es die Stärke der privaten Sender, mit ihren Programmen ein junges Publikum anzusprechen. Doch das wird ihnen jetzt zum Verhängnis.
Die Jungen wandern zum Streaming ab. „In diesem Wettbewerbsumfeld sehen die Sender sich gezwungen, Kosten zu senken und effizienter zu wirtschaften. Entsprechend werden die Budgets für Showproduktionen spürbar kleiner“, so Richter.

Zur Person
Dr. Christian Richter ist Fernseh- und Medienwissenschaftler. Er beschäftigt sich mit der Theorie und Programmgeschichte des Fernsehens sowie mit Medienbildung und digitaler Bildung. In seinem Podcast „Rewatch Wetten, dass..?“ setzt er sich außerdem mit der Tradition der Samstagabendshows auseinander und analysiert alte Ausgaben der Sendung.
Gerichtsshows sind billig produziertes Fernsehen. Gespielt werden die Rollen von Laiendarstellern, ohne großen Aufwand können viele Folgen produziert werden. Daran hat sich auch bei den Neuauflagen nichts geändert. So erzählte Barbara Salesch im Juni 2025 in einem Interview mit dem Medienmagazin „DWDL“: „Die Sendungen selbst produzieren wir dagegen im gleichen Rhythmus wie früher, weil das aus Kostengründen gar nicht anders geht.“ RTL nutzt inzwischen sogar Künstliche Intelligenz, um alte Handlungsstränge dramaturgisch neu aufzubereiten. Dadurch können die Kosten für Drehbuch und Produktion noch weiter gesenkt werden.
Die Kosten für die Primetime-Specials sind nicht öffentlich bekannt. Diese werden aufwendiger produziert als die gewohnte Gerichtsshow. Im Gespräch mit t-online sagte Salesch im September: „Das ist ein ganz anderes Drehen, und das macht mir Spaß. (…) Bei den Abendsendungen sitze ich oft wochenlang an der Überarbeitung der Drehbücher, wir drehen mit Schauspielern. Das ist schon speziell.“